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Wie nutze ich am Smartphone Navi-Apps

Wie nutzt man blind ein Navigationssystem effektiv

Die meisten Anwender von Navigationssystemen nutzen lediglich die Funktion: „Libes Navi, bring mich auf dem schnellsten Weg von A nach B. Das war es dann auch schon. Es wird dann vielleicht noch vorab mal nachgeschaut, wie lange man zum Ziel braucht, um den Tag planen zu können.
Aber Navis können noch viel mehr:
Da diese Funktionen aber kaum genutzt werden, sind sie in den gängigen Systemen gar nicht vorhanden oder so gut versteckt, dass man sie suchen muss. Deshalb gibt es für blinde Anwender einige Zusatz-Apps, bei denen die wirklich interessanten Funktionen Im Vordergrund stehen. Manche dieser Apps haben ein normales Navi an Bord oder reichen die Infos an gängige Navigationssysteme, wi Apple Karten oder Google Maps weiter. Diese beiden sind übrigens absolut barrierefrei nutzbar. Doch um was geht es mir hier genau
Die gängigen Systeme sind auch im Fußgängermodus eigentlich auf Fahrtzeuge ausgelegt. Kleine Gegebenheiten, wie Treppen, Blumenbete und vieles mehr, was mir als blindem Fußgänger wichtig sein kann, werden nicht angezeigt. Auch wenn ich eine Route anders gehen möchte, weil ich irgendwo sicherer über die Straße komme, kann das normale Navi dies nicht verwerten.
Routen aufzeichnen und Punkte definieren:
Gehe ich einen Weg zum ersten mal, mit oder ohne Begleitung, kann ich die Rute aufzeichnen und hinterher wieder verfolgen. Dabei kann ich hin und zurück auswählen. An jedem wichtigen Punkt, Abzweigungen und anderen Besonderheiten, kann ich Orientierungspunkte setzen und diese mit eigenen Infos und Anweisungen beschriften. „Z.b. „halb rechts, am Blumenbeth orientieren und auf Stufen achten“. So erstelle ich meine eigenen Navianweisungen. Das funktioniert auch im Wald und Feld. So kann ich mir auch Spazierwege, außerhalb der Straßenführung, für die Hunderunde nutzbar machen.
Aber es kommt noch viel besser: Geht es z.b. Um einen Weg zu einem Tagungsort, kann ich anderen meine erstellte ROUTE per Mail schicken. Die brauchen sich dann nur meine Route in die App zu laden und haben so die detaillierte Wegbeschreibung.

Punkte definieren und verfolgen:
Ich kann auch einzelne Punkte erstellen und verfolgen. D.h. Ich kann hören, ob ich mich einem bestimmten Punkt nähere oder mich von ihm entferne, bzw. In welcher Richtung der Punkt liegt.

Momentane und entfernte Umgebungen:
Interessant ist natürlich, detaillierte Informationen über meine Momentane Umgebung zu bekommen. Dazu gibt es die Funktion umschauen. Dabei halte ich das iPhone vor mich und drehe mich in die jeweiligen Richtungen. Ich bekomme angesagt, welche Locations, Kreuzugen und Straßen in der jeweiligen Richtung liegen.
Und jetzt wirds richtig interessant: ich kann auch eine entfernte Umgebung simulieren. So kann ich mir z.b. Schon jetzt einen Überblick über die Umgebung meines gebuchten Hotels bzw. Tagungsort für München verschaffen, wo ich in zwei Wochen hin muss. Einfach Adresse auswählen als Favorit speichern und dann Simulieren wählen und, wie beschrieben vorgehen. So erhalte ich dann Infos über Haltestellen, Straßen und Restaurants, Taxistände usw. Damit kann ich mir auch die Wegbeschreibung vom Hotel zum Tagungsort abrufen. Das hat sogar teilweise in Indien funktioniert.
Geht man jetzt noch einen Schritt weiter, kann man z.B. bestimmte Apps miteinander verbinden und so direkt auf Speisekarten und weitere Infos zugreifen. So ist es möglich, sich als blinder Reisender, neben den Bahnverbindungen auch optimal auf die Umgebung am Ziel vorzubereiten.

Anfang des Jahres war ich mit einer Gruppe zum Wandern unterwegs. Wir kehrten in ein Waldrestaurant ein. Es wurde etwas später als geplant und diverse Leute hatten auch schon einiges getrunken. Es war dunkel und es wurde überlegt, wie man nun aus diesem Wald am schnellsten rauskommen könnte. Ich ging mit meinem Langstock voran und fand, zur Verwunderung einiger Teilnehmer zielsicher den Weg. Keiner hatte im Dunkeln mein Headset bemerkt, über das mir die Navigationsanweisungen gegeben wurden. Der Weg lag auf meiner großen Hunderunde, die ich mir durch den Wald definiert habe. Natürlich merke ich mir nach, wie vor meine Wege. Aber es ist erheblich weniger Stress, wenn man weiß, dass man jeder Zeit seinen Standort abrufen kann und sich die Richtung ansagen lassen kann, wenn man mal falsch abbiegt.

Noch ist die Technik am Anfang. Es gibt diverse Apps, die alle ihre Vor- und Nachteile haben. Am liebsten nutze ich Blindsquare, dass zur Orientierung dient, über Foursquare auf Locations zugreift und es mir ermöglicht, auch eigene Punkte zu definieren und zu verfolgen, sowie Orte simulieren. Will ich gezielt zu einem Ort navigieren, kann ich das Ziel direkt an eine Navi-App weiterreichen. Andere Apps sind z.b. My Way klassik, mit der man komplette Routen aufzeichnen und an andere weitergeben kann. Seeing Assistent Move ist etwas übersichtlicher, hat aber einen ähnlichen Funktionsumfang. Es gibt noch mehr Apps, die alle irgendwo ihre Vorzüge haben. Momentan experimentiere ich mit mehreren Apps und bin gespannt, auf die weitere Entwicklung. So unterstützt Blindsquare z.b. demnächst auch Indoor-Navigation. Mit Hilfe von Bluetooth-Beacons, die Ihre Informationen ans Smartphone senden, können ganze Bahnhöfe oder sogar Flughäfen navigierbar gemacht werden. Und dieser Bereich könnte auch für Sehende Fußgänger interessant werden.
Bald bekomme ich meine Applewatch. Demnächst werde ich dann das Informationssystem für meine Umgebung am Handgelenk tragen. Ich bin mal gespannt, was da in Zukunft noch möglich wird.
Schon jetzt ist mein Leben durch die Navi-Apps erheblich stressfreier geworden. Ich muss durch die Möglichkeit, Wege vorbereiten zu können und der Gewissheit, dass ich mich nicht verlaufe, nicht mehr so stark konzentrieren und habe den Kopf frei für andere Dinge. Und noch etwas ganz nerviges gehört der Vergangenheit an. Ich brauche mir keine Sorgen mehr zu machen, dass ich an einer falschen Haltestelle aussteige, weil es falsche oder gar keine Ansagen gibt. Ich kann mir von zuhause schon den Bahnhof, die Haltestelle oder einen Punkt in der Nähe definieren und eine Entfernung einstellen, wann ich auf mein Ziel hingewiesen werden möchte. Das ist besonders nachts beruhigend. ich kann mich im Bus auf ein gutes Buch konzentrieren und muss nicht ständig auf die Fahrtroute achten.

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Unser letzter Tag in Indien

Samstag, 26. Oktober 2013

Unser International Meeting war vorbei und wir hatten noch einen Tag zur Verfügung. Ein Teil unserer Gruppe fuhr ans Meer. Wir hatten uns für eine Trekkingtour, nochmal im Periyar-Nationalpark angemeldet. Unsere kleine Gruppe bestieg einen Bus. Der Fahrer, der schon etwas rasanter unterwegs war, als wir dies von Jose gewohnt waren, betätigte sich nebenbei als DJ. Das Auto war ohnehin mit seinen überdimensionierten Boxen und Lichtanlage eher eine fahrende Disco. Am Eingang des Nationalparks von Tiruvanantapuram aus, mussten wir feststellen, dass dieser Teil des Parks für Touristen geschlossen war. Wir erfuhren später, dass am Tag zuvor zwei Touristen an einem Wasserfall ums Leben gekommen waren. Die Untersuchungen zu dem Unfall waren noch nicht abgeschlossen.
Also mussten wir uns eine Alternative überlegen. Die Wahl viel auf den Berg Pumudi. Zunächst machten wir aber an einem kleinen Fluss, nach indischen Maßstäben eher ein Bach, Rast, den wir über Steine überquerten. Ich suchte mir meinen Weg auf allen Vieren über die Steine, Lukas konnte anderen Teilnehmern der Gruppe helfen. Auf der andern Seite wollten wir etwas Pause machen. Plötzlich schrie eine Frau auf. Unsere Teilnehmerin aus Malaysia war in den Fluss gestürzt und abgetrieben worden. Der Fluss, war hinter der Furt, die wir zum Überqueren genutzt hatten, tiefer und reißender. Glücklicherweise konnte sie sich an einem Stein festhalten.
Lukas und drei andere Teilnehmer bildeten sofort eine Kette, so dass ihr anderer Kollege aus Malaysia sie mit deren Hilfe ans Ufer ziehen konnte. Das war für alle ein riesen Schreck.
Nachdem wir später das Flüsschen an sicherer Stelle wieder überquert hatten, fuhren wir weiter zum Pumudi. Das iPhone des malaiischen Kollegen hatte bei der Rettungsaktion ein Vollbad genommen. Er kaufte bei einem Hotel zwei Kilo Reis und verbuddelte das iPhone darin. Der Reis zieht die Feuchtigkeit aus dem Gerät. Ob es tatsächlich geklappt hat, konnten wir leider nicht mehr erfahren.
Wir fuhren durch ein Teeanbaugebiet und machten an einer Bergstation halt. Wir bekamen unser, in Bananenblätter eingeschlagenes, Mittagessen. Wir waren schon vier Stunden unterwegs und trotzdem war das Huhn mit Reis und Gemüse, noch richtig warm. Diese Banana Leaves sind gut zum Verpacken von Lebensmitteln geeignet und halten, je nach Bedarf, warm oder kalt.
Den Rest, bis zum Gipfel, legten wir zu Fuß zurück. Das war mit etwas Klettern verbunden. Die Temperatur war hier oben sehr angenehm. Eine tolle Luft. Das Erlebnis vom Vormittag hatte die Gruppe sehr nah zusammenrücken lassen.

Der Abstieg verlangte uns beiden noch mal alles ab, was wir in den vergangenen zwei Wochen gemeinsam beim Laufen geübt hatten. Und genau auf der letzten Etappe unserer Reise rutschte ich an einem Felsen ab und zerfetzte dabei die Außenhaut meines geliebten Enchanting-Rucksacks. Wahrscheinlich hat er mich vor einer größeren Schramme bewahrt. Aber: Wenn irgendjemand von Enchanting India bis hierher liest; Ich würde mich wahnsinnig freuen, wenn ich noch einmal so einen Rucksack bekommen könnte. Das war wirklich ein tolles Gepäckstück. Dafür laufe ich auch gerne Werbung.

Die Stimmung in der Gruppe war gut. Nach einer rasanten fahrt zurück zum Kanthari-Campus, gings ein letztes Mal ans Buffet. Dann kam der unvermeidliche Moment, wo wir endgültig unsere Sachen packen mussten. Um 0.45 Uhr hatte ich mit Zaira, unserer Reisekoordinatorin , die Abholung vereinbart. Vorher gingen wir noch einmal zum See und genossen zusammen die abendliche Geräuschvielfalt. und hingen dort unseren Gedanken nach. Später begegneten wir Sabriye und wir setzten uns noch ein wenig zusammen. Wir sprachen über das Projekt und das Leben in Kerala. Ich kann nun verstehen, warum sie Deutschland den Rücken gekehrt hat und lieber an diesem schönen Platz lebt und arbeitet. Die Zeit bis zur Abfahrt verging, wie im Flug…

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Danksagung

Auf diesem Foto stehe ich auf dem Gipfel des Pumudi, zugehörig zu den Blue Mountains, auf denen dieser herrliche Tee wächst. Ich lasse mir den Wind um die Nase wehen und denke an die vergangenen Tage.
Ein tolles Fleckchen unserer Erde, das ich bereisen durfte.

Ich danke allen Mitarbeitern und Beauftragten von Enchanting-Travel, die zum Erfolg  unserer Reise beigetragen haben. „Wir schneiden Ihre Reise individuell auf Sie zu“. Das war der Satz, der mich angesprochen hatte.
Ja, ich wollte euch testen, ob ihr auch barrierefreie Reisen organisieren könnt. Ich bin auch nicht ganz ohne Skepsis an die Sache herangegangen. Aber: Enchanting-Travel kann ganz hervorragend barrierefreie Reisen organisieren und die Reisen werden tatsächlich individuell zugeschnitten. Ich hatte mir von dieser Reise viel erhofft. Meine Erwartungen wurden in vieler Hinsicht übertroffen.

Mein besonderer Dank gilt:
Maike, mit der ich lange in Kontakt stand, um die Reise zu planen.

Zaira, unserer deutschsprachige Reisekoordinatorin. Sie stand uns rund um die Uhr zur Verfügung, falls es mal Schwierigkeiten gegeben hätte. Es gab aber keine Probleme. Aber es ist toll, wenn man jemanden im Hintergrund hat, in einem so fremden Land.

Jose, unseren Fahrer. Er hat mir seine Heimat auf sehr anschauliche Weise nahe gebracht. Ich glaube, ihm hat es auch Spaß gemacht.

Jutchin und die anderen Guides vor Ort, die sich hervorragend auf meine Bedürfnisse eingestellt haben.

Ich war nicht zum letzten Mal in Indien. Auch andere Regionen wollen noch erkundet werden. Gerne wieder mit Enchanting Travel

Interessante Links:

20140529-141300-51180562.jpgEnchanting India