Unsere Elefantentour

Freitag, 18. Oktober 2013

Wegen der Streiks mussten wir bereits um vier Uhr aufstehen. Um 5.00 Uhr wollten wir im Auto sitzen, um den Distrikt rechtzeitig vor Beginn der Blockaden zu verlassen. Packen war etwas schwierig, weil unser kleiner Rucksack samt Inhalt und unsere Schuhe derart nass vom Vortag waren, dass wir die Sachen nicht richtig zusammenpacken konnten. Das Frühstück musste ausfallen. Wir bekamen ein großes Lunchpaket. Auf den Straßen war schon eine Menge los. Inzwischen konnte ich aber auch schon, trotz der indischen Straßenverhältnisse, im Auto schlafen.
Unser Ziel war Kanam, Hotel Serinity. Nach ungefähr drei Stunden Fahrt kamen wir dort an. Natürlich war unser Zimmer um diese Zeit noch nicht fertig. Aber nach dem obligatorischen Fruchtsaft zur Begrüßung und den üblichen Formalitäten, bei denen mal wieder lange unsere Reisepässe studiert wurden, erhielten wir ein vorläufiges Zimmer. Hier begann ich unsere Schuhe von unserem Dschungelausflug trocken zu föhnen. Später bekamen wir dann ein anderes Zimmer. Groß, mit eigener Veranda, direkt in der Nähe eines Pools. Hier konnten wir die ganzen nassen Klamotten, samt Rucksack und Schuhen in der Sonne ausbreiten. Heute wartet ein ganz besonderes Event auf uns.
Eines der faszinierensten Tiere für mich waren schon immer Elefanten. Einen Elefanten wollte ich schon immer mal näher kennen lernen. Also mietete ich mir, gewissermaßen als Special-Event, für einen Tag einen Elefanten mit seinem, oder besser gesagt ihrem Mahut.

Der nachfolgende Text unterscheidet sich etwas von den anderen Texten, die ich hier veröffentlicht habe. Im Rahmen einer Veranstaltung zum Thema Hören, präsentierte ich im Aschaffenburger Stadttheater unsere Elefantentour als Traumreise. Die Zuhörer hatten zum größten Teil dunkle Brillen auf und durch meine Erzählweise, sollten innere Bilder hervorgerufen werden. Da mein Auftritt sehr erfolgreich war, gebe ich den Text hier so wieder, wie ich ihn bei der voll besetzten Abendveranstaltung auf der Bühne mit eingespielten Geräuschen vorgetragen habe.

Ich liege im Hotel auf der Veranda in einem Liegestuhl. Es ist ein Liegestuhl mit verlängerten Lehnen, worauf man die Füße nach vorne legen kann. Neben mir, auf einem kleinen Tisch steht ein Glas leckerer Fruchtsaft. Banane, Ananas, Papaya und Kokos. Ich träume so vor mich hin, denn ich bin noch ganz hin und weg von der Dschungelsafari tags zuvor. Da konnte Lukas schon wild lebende Elefanten beobachten.
Auf einmal höre ich leichte Schritte über das Gras vor der Veranda kommen. Eine weiche Frauenstimme sagt: „Sir, your elephant is ready“. Was ein Lebensgefühl.
Ich bin plötzlich hellwach und aufgeregt, wie ein kleines Kind. Ich rufe Lukas, der gerade dabei war die Bilder und Videos des Vortages ins Internet hochzuladen.  Schuhe anziehen, kurz gegen Insekten einsprühen und los. Vor dem Hotel steht das riesige Tier. Mit meinem bisschen Sehrest für mich nur als riesiger Schatten wahrnehmbar. Sofort spüre ich die enorme Ausstrahlung, die von diesen Tieren ausgeht. Wir nähern uns Laxmi, die Elefantin schnaubt und brummt ganz tief. Klingt irgendwie lieb. Ich bin noch ganz fasziniert von der Größe als ich spüre, wie mich etwas vorsichtig, in Höhe meiner Taschen abtastet. Ich greife vorsichtig nach vorne und spüre den Rüssel, mit dem Laxmi wohl gerade abcheckt, ob sie etwas Leckres in meiner Tasche finden könnte. Der Rüssel fühlt sich viel weicher an als ich mir vorgestellt hatte. Nicht vorstellbar, was Elefanten damit alles anstellen können und wieviel Kraft in so einem Rüssel steckt. Dann reicht uns der Mahut  von hinten Bananen, mit deren Hilfe wir uns bei Laxmi beliebt machen sollen. Ich nehme eine Banane in die Hand und strecke sie der Elefantin entgegen. Ganz vorsichtig kommt wieder der Rüssel. Ich lege die Banane hinein und Laxmi buxiert die Banane mit dem Rüssel ins Maul. Die zweite Banane fällt mir runter. Auch kein Problem, der Rüssel ist ja irre lang.
Laxmi kann erstaunlich viele Bananen verdrücken. So ein Riese frisst vier bis sechs Zentner pro Tag. Zum Frühstück gibts dann schon mal Reisbällchen von 30 Kg.
Nachdem wir uns also beide mit Laxmi angefreundet haben, geht es ans Aufsitzen. Die Elefantin legt sich auf Befehl hin. Selbst im Liegen, ist sie so groß, dass ich die Arme hoch strecken muss, um an das Halteseil auf dem Rücken zu kommen. Also mit einem Fuß auf das Vorderbein stellen, hochziehen und das andere Bein über den Rücken. Ganz schön dick so ein Elefant. Ich sitze mit total gespreizten Beinen und überlege mir ernsthaft, wie ich das nun stundenlang aushalten soll. Während Lukas hinter mir auf den Elefantenrücken klettert, erkunde ich meine Umgebung. Taste Laxmis Kopf ab und bin ganz fasziniert wie weich und gleichzeitig robust sich die Elefantenhaut anfühlt
Dann höre ich ein Kommando und fühle mich plötzlich, wie in einem nach oben fahrenden Fahrstuhl. Laxmi erhebt sich. Die Menschen unten sind plötzlich für mich weit weg und klein.
Fotos scheinen in Indien eine sehr große Bedeutung zu haben. Überall, bot man uns an, uns beide zu fotografieren. Auch hier. Laxmi bekommt den Befehl den Rüssel hoch zu nehmen und sich in voller Pracht zu präsentieren. Dann werden von unten wieder Bananen hochgereicht und Laxmi angelt sie sich aus unseren Händen. Praktisch so ein Rüssel. Man kann sich aus allen Positionen seine Leckereien angeln. Wir bekommen Wasserflaschen hochgereicht, die wir bequem auf dem Elefantenrücken zwischen uns ablegen können.
Plötzlich legt sich etwas warmes, weiches um meine Beine. Ich taste danach und entdecke die riesigen Elefantenohren. Jetzt weiß ich, woher der Begriff „Lauschlappen kommt“.

Nun geht es los. Auf Befehl setzt sich die Elefantin in Bewegung. Bei jedem Schritt spüren wir das Muskelspiel. Allein das ist schon ein taktiles Erlebnis. Wobei ich durchaus eine gewisse Zeit brauche, mich an den Bewegungsablauf zu gewöhnen und bis ich mich sicher fühle.

Wir reiten runter vom Hotelgelände, einen recht schmalen Weg entlang, so dass uns gelegentlich die Blätter der Bäume durchs Gesicht streichen. Dann ging es eine Straße entlang durchs Dorf. Interessant, die Alltagsgeräusche, wie Markt, Baustelle und die Menschen, mal aus dieser Höhe zu erleben. Wir sitzen höher als die LKWs, die an uns vorbeifahren. Eigentlich müssten die Menschen hier ja gewohnt sein, dass irgendwelche Touristen auf Elefanten durchs Dorf reiten. Trotzdem sind wir die Sensation. Menschen winken uns zu und wünschen uns eine schöne Tour.
Plötzlich ruft Lukas: Papa, Vorsicht! Ein Kabel! Ich kann mich gerade noch ducken, bevor ein Stromkabel, das hoch über die Straße gespannt ist, über mich streift.
Wir kommen an einer Schule vorbei. Massen an Kindern bewegen sich in unsere Richtung und rufen uns zu.
Nun geht es in die Natur. Wir reiten einen etwas steileren Pfad hoch. Es ist schon etwas mühsam für uns, uns auf dem Elefantenrücken festzuhalten. Dann genießen wir einfach nur die Geräusche der Natur, bzw. Lukas genießt die Aussicht. Auf einmal grollt es ganz tief im Elefantenkörper  und es platscht ziemlich heftig hinter uns. Am Geruch erkenne ich, dass es sich um die riesigen Hinterlassenschaften der Elefantin handelt.

Wir erreichen einen Fluss. Laxmi legt sich auf Befehl hin und wir steigen ab. Linkes Bein über den Rücken, mit den Händen am Halteseil festhalten und runter rutschen. Durch das lange Sitzen mit gespreizten Beinen habe ich anfangs Mühe, überhaupt zu laufen. Das war heftig. Laxmi wird ihre Decke abgenommen und auf Befehl geht sie ins Wasser. Auf einen weiteren Befehl, legt sie sich auf die Seite, wie ein Hund. Dann werden wir vom Mahut gerufen, doch auch mit ins Wasser zu kommen. Also Schuhe aus, Jeans hochgekrempelt und zu Laxmi ins Wasser. Wir bekommen jeder eine halbe Kokosnußschale. Die Tauchen wir ins Wasser und rubbeln Laxmi damit ab. Das gefällt ihr. Sie liegt im Wasser, sprüht mit dem Rüssel gelegentlich eine kleine Wasserfontäne in die Luft und freut sich ihres Lebens. So kann ich den Elefantenkörper sehr intensiv kennenlernen. Ich bin immer noch fasziniert vom Gefühl der Elefantenhaut.
Als wir mit dem Abrubbeln fertig sind, steht Laxmi auf Befehl wieder auf. Auf einen Zuruf duscht sie sich selbst mit dem Rüssel ab. Das ist für alle Beteiligten eine nasse Angelegenheit.

Wir machen uns auf den Rückweg. Das Aufsteigen geht schon viel lockerer als beim ersten mal. Lukas und ich tauschen die Plätze. Ich stelle fest, dass man weiter hinten viel gemütlicher sitzt als vorne, direkt über den Schultern.
Ich lasse die Schuhe aus und hänge sie mir an den Gürtel. und die nasse Jeans wird hochgekrempelt, um mehr vom Elefanten zu spüren. Wir genießen den Ritt zurück, durch die Natur, wieder durchs Dorf an der Schule vorbei, zu unserem Hotel. Wir machen noch mal Fotos, Laxmi kriegt die letzten Bananen. Ich lasse mir nochmal Zeit, den Elefantenkörper abzutasten und die Eindrücke zu speichern.

Es war gut, dass wir am Morgen so früh im Hotel ankamen. Wären wir, wie ursprünglich geplant, später gefahren, hätten wir die Elefantentour nicht machen können. Wir waren kaum zurück im Zimmer, bekamen ein reichhaltiges Mittagessen auf unserer Veranda serviert, da zog ein kräftiges Tropengewitter auf. Eigentlich wollten wir uns noch Gewürzplantagen anschauen. Aber das war nicht möglich. Später rief Jose an und meinte, dass er keine Chance hätte, mit dem Auto zu uns durchzukommen. Also verbrachten wir den Nachmittag gemütlich im Hotel und luden unsere Bilder ins Internet hoch. Wäre ja zu schade gewesen, wenn durch einen Geräteschaden, die Bilder verloren gingen. Wir waren die einzigen Gäste. Nachdem das Gewitter abgeklungen war, föhnte ich weiter mit mäßigem Erfolg unsere Schuhe. Es sollte noch zwei Tage dauern, bis die wieder gesellschaftsfähig waren. Der Regen war für uns aber nicht schlimm, hatten wir doch ein sehr außergewöhnliches Erlebnis gehabt.

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Nach turbulenten Tagen, nun die Entspannung

Samstag, 19. Oktober 2013

Trotz des ergiebigen Regens der vergangenen Nacht scheint am Morgen schon wieder die Sonne. Nach einem ausgiebigen Frühstück auf unserer Veranda, heißt es schon wieder Packen. Zum Glück waren inzwischen der Rucksack und unsere Kleidung wieder trocken. Nur die Schuhe, waren trotz mehrstündigem Föhnens immer noch nass von der vorgestrigen Dschungeltour. In einer mehrstündigen Fahrt, werden wir in die Nähe von Alleppey gebracht. Nach den vielfältigen Aktivitäten der letzten Tage, wird es die nächsten Tage etwas ruhiger zugehen. Während Lukas heute mehr mit Kopfhörer Musik hörte, unterhielten Jose und ich uns wieder über Hindu-Mythologie, Schulbildung in Indien und Europa, Familie und über unsere Kinder. Wir hatten einen guten Draht zueinander entwickelt und er weiß, dass er uns auch Dinge fragen kann und uns nicht nur unterhalten muss. Unterwegs kamen wir an Reisfeldern vorbei. Ich nutzte die Gelegenheit, mir Reispflanzen zeigen zu lassen. Ich wollte schon immer mal sehen, wie diese Körnchen, die man seit Jahrzehnten auf dem Teller hat, wachsen.

Irgendwann stockte es auf der Straße. Eine riesige christliche Prozession verlangsamte unsere Fahrt. Ein Zug von mehreren Kilometern, mit gefühlt tausenden von Menschen, Lautsprecherwagen mit Musik und Predigten bewegte sich die schmale Straße entlang. Eine christliche Prozession, eine Art Wallfahrt. Gegen Mittag erreichten wir unser neues Domizil, in der Nähe von Alleppey. Im Hotel „A beach Symphonie“ bekamen wir einen geräumigen Bungalow der ganz besonderen Art. Wir wurden mit dem üblichen Glas Fruchtsaft und einem riesigen Obstkorb mit einheimischen Früchten begrüßt. Und man Staune: vom üblichen Verwaltungsakt des Eincheckens, das immer mit Ausfüllen eines mehr oder weniger umfangreichen Formulars und genauen Studierens der Reisepässe einherging, wollte hier keiner was wissen.
Es geht in Indien also auch ohne. Warum? Das „A Beach Symphonie“ gehört Jan und Christel, einem belgischen Ehepaar, dass sich hier mit zwei Hotels, ein kleines Paradies geschaffen hat. Unser Bungalow hatte zwei geräumige Zimmer, Toilette, Bad und einen eigenen kleinen Garten. Durch die ganzjährig hohen Temperaturen waren Toilette und Bad praktisch nach hinten offen. Durch den hohen Sichtschutz war man Praktisch außer einer kleinen Überdachung im Bad, im Freien. Vor dem Haus hatten wir eine geräumige Veranda. Von hier aus konnten wir direkt durch ein kleines Tor zum Strand. Türchen auf und man steht direkt im hellen, weichen Sand unter Kokospalmen. Nach einem Tee und Obst packten wir aus und gingen zum Strand. Erst kurz ins Wasser und dann in die Hängematten zwischen den Kokospalmen. Wir entdeckten die Möglichkeit, auch hier im Hotel eine Massage zu bekommen. Ich entschloss mich nochmal zu einer Ajurveda-Massage von 90 Minuten. Der Masseur kam aus dem nahegelegenen Dorf ins Hotel. Lukas wollte einfach nur faul rumliegen und entspannen. Kein Wunder, nach den letzten Tagen. Außerdem hatten wir hier eine hervorragende WLAN-Verbindung, so dass Lukas die bisher gemachten Fotos und Videos nun fertig hochladen konnte.
Als ich von der Massage zurückkam, das Hotel hatte hierfür gegenüber unseres Bungalows extra eine kleine Hütte eingerichtet, zog in der Ferne wieder ein Gewitter auf. Es war aber noch Zeit, den Sonnenuntergang am Strand anzuschauen. Es fasziniert mich immer wieder, wie schnell es im Süden nach Sonnenuntergang dunkel wird. Zurück auf unserer Veranda, war schon der Tisch für uns beide gedeckt. Es gab frisch gefangenen Fisch mit verschiedenen Beilagen. Gutes Essen, das Rauschen der Brandung und ein leichter Regen, der aufs Vordach trommelte. Was will man mehr.
An diesem Abend kümmerte ich mich zum ersten Mal seit der Ankunft in Indien wieder um die Weltnachrichten. Dank der guten Internetverbindung war auch ein Skypeanruf nachhause möglich. Nachdem wir für die Nacht mit Getränken versorgt wurden, gingen wir im Dunkeln noch am Strand spazieren.

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20140529-185525-68125202.jpgHier gehts direkt zur Beachsymphoni

A Beach Symphony – unser Traumhotel

Sonntag, 20. Oktober 2013

Im „A Beach Symphony“ kann man zwischen einem europäischen und einem Kerala-Frühstück wählen. Es gibt zum ersten mal Wurst und Käse, wenn man es haben will. Lukas wollte, ich entschied mich für das Kerala-Frühstück. Serviert wurde ein Gericht aus Reis mit Kokos, dazu Pfannkuchen und der schon gewohnte Obstteller.
Es war bedeckt und recht angenehm von der Temperatur. Jose holte uns ab. Wir fuhren nach Alleppey, um uns die Stadt anzusehen. Kaum angekommen, begann es zu regnen. In der Region werden Schirme hergestellt. Also kauften wir einen Schirm aus Kerala. Ein Souvenir, dass ich gerne nutze und immer mit mir im Rucksack rumtrage.
Hier wollte ich eigentlich noch einige Mitbringsel für die Familie kaufen. Auf dem Markt und in den umliegenden Geschäften gab es aber nur minderwertiges Zeug. Wir kamen an einem Hindu-Tempel vorbei. Wir hatten bisher noch keine Gelegenheit, uns einen solchen Hindu-Tempel von innen anzuschauen. Leider dürfen Nicht-Hindus diesen Tempel nicht betreten. Aber ein Pramane, Hindupriester, erklärte uns an den Ständen vor dem Tempel die Accessoires, die zu den Zeremonien des Tempels genutzt wurden.
Der Regen wurde so stark, dass es keinen Spaß mehr machte, durch die Stadt zu laufen. Wir beschlossen daher, zum Hotel zurück zu fahren. Erst am Nachmittag hörte der Regen auf. Lukas und ich gingen an den Strand. Hier waren am Sonntagnachmittag viele indische Familien unterwegs. Da die Hauptsaison noch nicht begonnen hatte, waren außer uns, keine Europäer da. Wir sahen die Fischer mit ihren Booten, die ihren Fang direkt am Strand an die umliegenden Hotels verkauften. Insgesamt eine schöne Atmosphäre.
Später saßen wir auf einem Baumstamm und warteten wieder auf den Sonnenuntergang. Zuerst kam ein neugieriger Hund und versuchte sich mit uns anzufreunden. Weil wir aber auf die Tollwutimpfung verzichtet hatten, mieden wir den Kontakt zu Hunden. Ihn musste man sehr hartnäckig ignorieren. Er legte sich dann genau hinter mich, direkt an den Stamm. Dann kam ein Mann, setzte sich zu mir auf den Stamm und wir unterhielten uns. Er kam ursprünglich aus Kasachstan und hatte am Strand Fisch gekauft. Während ich mit ihm über sein Leben in Kerala sprach, kamen auch indische Jugendliche zu uns und nahmen Kontakt zu Lukas auf. Der beeindruckte mit seinen 1,94 cm Größe und alle wollten sich mit ihm fotografieren lassen. Erst als es dunkel war, gingen wir zurück. Ich hatte den Hund total vergessen und schwang meine Beine über den Stamm, und erwischte den Hund. Glücklicherweise hat er nicht zugebissen. Der arme Kerl war total verschreckt und lief nun weg. Auf der Veranda war schon wieder eingedeckt zum Abendessen, es gab wieder gegrillten Fisch mit Reis und diversen Beilagen.
Aber wieder geschmacklich ganz anders zubereitet als gestern. Später gönnte ich mir noch zwei indische Bierchen und konnte zum ersten Mal seit über einer Woche wieder mal lesen. In unserem Bungalow hatten wir ein kleines Haustier. In der Nacht hatte es an unseren Schmutzwäschetüten immer wieder geraschelt. Lukas entdeckte den Urheber. Ein kleiner Gecko lebte in unserem Zimmer. Und welch Glück: Unsere Schuhe waren nach vier Tagen endlich trocken.

20140529-182513-66313275.jpgA Beach Symphony im Video

Fahrt mit dem Hausboot durch die Backwaters

Montag, 21. Oktober 2013

Heute stand der letzte Höhepunkt unserer Rundreise an. Eine Tour mit dem Hausboot durch die Backwaters. Von Alleppey zieht sich ein weites Netz von Wasserstraßen und Seen ins Landesinnere. Teilweise sind die Dörfer nur auf dem Wasserweg erreichbar. Jose fährt uns zur Anlegestelle, wo wir erst wieder die landestypischen Formalitäten erledigen müssen und danach unser Boot zugewiesen bekommen. Auf diese Fahrt habe ich mich schon lange gefreut und war gespannt, wie diese Hausboote wohl aussehen. Bei den Booten handelt es sich um alte Getreidetransporter, die aus Holz und Bambus bestehen und von Seilen zusammengehalten werden. Da die Transportwege heute anders organisiert sind, wurden die Boote zu Hausbooten umgebaut und wie Hotelzimmer vermietet. Ein Steuermann und ein Koch bildeten, nur für uns beide, die Besatzung. Ganz vorne, hatte der Steuermann seinen Platz und man konnte sich auf einer Matratze direkt dahinter auf die Plattform legen. Dann kam ein Wohnbereich mit Sitzgelegenheiten und Tisch. Dahinter war die Kajüte mit unserem Schlafraum, inklusive Bad, einer Küche und der Unterkunft für die Crew.
Nachdem wir uns alle begrüßt hatten und den schon üblichen Fruchtsaft getrunken hatten, legten wir ab. Ich liebe Wasser und ich liebe es vom Boot aus, die Geschehnisse am Ufer zu hören. Diese Fahrt war anders als alles, was ich bisher von Flussfahrten kannte. Auf den Wasserstraßen war richtiges Leben. Kleine Boote, die offenbar die Funktion von Familienkutschen hatten, Transportboote, Fischerboote und vieles mehr. Ich genoss es, einfach in der Sonne zu liegen und die Fahrt zu genießen. Nach einer Fahrtzeit von zwei Stunden bekamen wir die erste sehr reichliche Mahlzeit. Frischer Fisch mit Gemüse, Früchten und Reis.
Später legten wir an und ein kleines, flaches Boot ging längseits. Wir wurden gebeten einzusteigen und fuhren in die seitlichen Kanäle. Unter einer sehr niedrigen Brücke, unter der wir uns ducken mussten, ging es durch, in eine ganz neue Welt. Ein Dorf, in dem sich das gesamte Leben am Wasser abspielte. Aus Werbebannern und anderem Schrott zusammengezimmerte Hütten, Menschen, die arbeiteten, am Fluss ihre Wäsche wuschen oder Reisfelder versorgten. Ich hatte mich für diesen Tag als unerreichbar abgemeldet. Ich hatte die Vorstellung, dass in den Backwaters kaum Handyempfang möglich wäre. Aber weit gefehlt. Der Empfang war nirgends so gut gewesen, wie hier. Lukas sah die baufälligsten und abenteuerlichsten Hüttenkonstruktionen. Alle aber mit Fernsehgeräten und die Bevölkerung mit modernsten Handys ausgestattet.
Zurück auf unserem Hausboot ging es weiter auf den Hauptwasserstraßen. Es war jetzt Feierabendverkehr. Ich hatte noch nie so viele Boote auf einmal erlebt. Besonders beeindruckend fand ich den Schulschluss, den wir miterleben konnten. Massenhaft Kinder wurden von ihren Eltern mit Booten abgeholt. Leider zog es sich zu und es wurde nebelig, so dass wir den Sonnenuntergang nicht sehen konnten. Gegen 18.00 Uhr legten wir an. Die Hausboote dürfen dann nicht mehr fahren, um die Fischer nicht zu stören. Das Boot wurde für die Nacht fest gemacht und wir genossen, nachdem der Motor ausgeschaltet war, die Ruhe. Von überall war das Leben am Ufer zu hören. Das Abendmenü übertraf noch das vom Mittag. Bis in die Nacht saßen wir im offenen Wohnzimmer unseres Hausbootes, quatschten wieder über viele Dinge, chatteten mit unseren Freunden und genossen die Atmosphäre. Es gab aber auch Massen an Moskitos, die uns ohne Insektenschutz das Leben schwer gemacht hätten. Dazu gab es noch eine Menge Geckos, die auf Moskitojagd waren und aus dem vollen schöpfen konnten. Wir schliefen zum ersten Mal unter einem Moskitonetz. So ganz konnte ich die Nacht nicht genießen. In der Nacht sprang ein Generator an, der nicht mehr abgeschaltet wurde. Lukas schlief aber, wie ein Stein.

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Youtubevideo über die Backwaters

Früh Morgens in den Backwaters

Unser Ziel Tiruvanantapuram

Dienstag, 22. Oktober 2013

Morgens um halb sechs war die Nacht für mich vorbei. Ich stand auf und versuchte mich möglichst leise durch den Gang nach vorne zu schleichen. Ich wollte ganz alleine den Morgen genießen, die fremdartigen Vögel und anderen Geräusche lauschen. Ich legte mich ins Freie auf der Plattform auf die Matratze. Keine fünf Minuten später wurde eine Tasse Tee neben mir abgestellt. Eine halbe Stunde später, gesellte sich auch Lukas dazu.
Dieser Morgen auf dem Wasser wird mir ewig in Erinnerung bleiben. Bevor wir ablegten, machte unser Captain, Lukas noch auf eine Wasserschlange aufmerksam, die in unserer Nähe vorbeischwamm. Ein Frühstück, mit dem man vier Leute hätte satt kriegen können, bildete den Abschluss unserer Hausbootfahrt.

Jose wartete schon auf uns. Er sollte uns heute noch nach Tiruvanantapuram, früher Trivandrum, fahren. Dort musste ich an einer Konferenz teilnehmen, der eigentliche Grund unserer Reise. Als ich im Auto saß, war meine Stimmung auf dem Tiefpunkt. Ich hätte noch mindestens eine Woche so weiterreisen können. Fünf Stunden dauerte die Fahrt. Zwischendrin machten wir Rast an einer typisch indischen Raststätte. Hier wurde mit den Fingern gegessen und die Toilette bestand aus einem Raum mit einem Loch im Boden. Aber es ist interessant, mal von den üblichen Touristenwegen abzuweichen und die Atmosphäre unter der einheimischen Bevölkerung zu erleben.
Nach mehreren Stopps, verursacht durch Kühe und einer Wahlkampfveranstaltung, bei der man mal kurz beschlossen hatte, die Straße zu blockieren, kamen wir in der Hauptstadt von Kerala, dem früheren Trivandrum an.
Unser Ziel war der Kanthari-Campus.
Kanthari ist ein Projekt, mit dem meiner Ansicht nach, wirkliche Entwicklungshilfe gemacht wird. Menschen, die in ihren Ländern soziale Projekte realisieren wollen, werden hier gecoacht, damit sie ihre eigenen Projekte in ihrer Heimat umsetzen können.
Gegründet wurde Kanthari u.a. von Sabrye Thenberken. Einer blinden Frau, die bereits durch die Gründung der ersten Blindenschule in Tibet auf sich aufmerksam machte. Ich kenne Sabrye seit meiner Schulzeit und konnte nun die bereits mehrfach ausgesprochene Einladung, das Projekt zu besuchen, endlich annehmen.
Und hier ist auch der eigentliche Anlass zu unserer Reise. Unser Dachverband, Dialogue Social Enterprise, veranstaltet jährlich eine internationale Konferenz, bei der sich Mitarbeiter aus unseren Projekten aus der ganzen Welt treffen.

Noch während der Fahrt erkundigte ich mich bei Jose, wie das denn mit den Taxis in Indien so läuft. Preise usw. Er meinte, darum bräuchte ich mich nicht zu kümmern. Ich könne ihn jederzeit anrufen, wenn ich einen Fahrer bräuchte. Er hatte also noch nicht realisiert, dass unser gemeinsamer Weg hier zu Ende ging. Als wir auf dem Kampus ankamen regnete es in Strömen. Wir luden schnell unser Gepäck aus und verabschiedeten uns mit einem ordentlichen Trinkgeld von Jose. Er war merkwürdig ruhig und routiniert, verabschiedete sich kurz, wie jeden Abend.
Wir erledigten die auch hier wieder notwendigen Formalitäten und glücklicherweise hatte ich noch für jeden ein letztes Passfoto einstecken, das wir hier zur Registrierung in der Hauptstadt brauchten. Warum, keine Ahnung. Wir erhielten die Tagungsunterlagen. Und ganz wichtig: Eine Wasserflasche. Neben der Küche konnten wir uns damit mit Trinkwasser versorgen. Unser Zimmer war sehr einfach, die Betten hart. Trotzdem war ich irgendwie froh, dass wir auf diese Art untergebracht waren und nicht in einem, nach westlichem Stil geprägtem Hotel. Beim anschließenden Tee trafen wir die ersten Kollegen. Zusammen mit den Gästen waren wir Teilnehmer aus 22 Nationen . Es ist immer wieder ein Erlebnis, wenn Menschen, aus so verschiedenen Kulturen zusammenkommen.
Es war mehr als eine Stunde vergangen, als wir angesprochen wurden, unser Fahrer würde am Tor auf uns warten. Wir dachten, wir hätten etwas im Auto vergessen. Aber nein. Jose hatte seinen nächsten Auftrag bekommen und erst jetzt realisiert, dass wir uns tatsächlich ganz bei ihm verabschiedet hatten. Deshalb hatte er umgedreht, um sich richtig von uns zu verabschieden. Es war eine schöne Zeit zusammen. Ich glaube, auch ihm hat es mit uns Spaß gemacht. Die Gelassenheit, mit der er uns durch den chaotischen indischen Straßenverkehr steuerte, fand ich beeindruckend. Wir konnten viel von ihm über Land und Leute lernen.

Sabrye führte uns übers Gelände. Der ganze Kampus besteht aus Innovationen. Lehmhäuser, die sich selbst kühlen. Regenwasser wird gesammelt und entsprechend durch einen Wiederverwertungskreislauf geschickt, bis es wieder für die Pflanzen im Garten zur Befeuchtung dient. Auch Strom wird möglichst viel durch Solarenergie gewonnen.
Und siehe da: An das Gelände grenzte ein See, der zum Schwimmen einlud. Diese Möglichkeit nutzen wir die nächsten Tage. Die kleinen Bewohner, ungiftige Wasserschlangen, schreckten uns nicht ab.
Projektvorstellung Kanthari

Vorstellung Kanthari

Abends begann der erste offizielle Teil mit Vorstellungsrunde. Ich war stolz auf Lukas, wie souverän er sich vor ca. 70 Leuten in Englisch vorstellte.
Die Nacht war laut. Viele unbekannte Geräusche wurden von den allgegenwärtigen Heuschrecken dominiert. Ich glaube, richtig still ist es in Indien nirgends.

Wikipedia über Sabriye Tenberken

Unser International Meeting

Mittwoch 23. bis Freitag, 25. Oktober 2013

Die folgenden drei Tage unseres Aufenthaltes auf Kanthari Campus fasse ich zusammen. Da die Aktivitäten überwiegend beruflich geprägt waren, ist diese Zeit für euch Leserinnen und Leser nicht so spannend. Auch hier gab es durchweg hervorragendes einheimisches Essen. Am Mittwoch fand die, für den ersten Tag übliche, Geschäftsführerkonferenz statt. Lukas faulenzte und gewöhnte sich an das hier sehr tropisch schwüle Klima. Wir Geschäftsführer mussten arbeiten. Bis zum Abend waren auch die restlichen Teilnehmer angereist. Schön die Kollegen aus den anderen Projekten mal wieder zu treffen. Insgesamt waren wir, mit den Gästen, ca. 120 Teilnehmer.
Die nächsten beiden Tage waren ein Wechsel aus interessanten Vorträgen, Erfahrungsaustausch und Zukunftsworkshops. Aber das Interessanteste waren die Präsentationen der Projekte, die aus dem Programm von Kanthari hervorgegangen sind. Zwischendrin genossen wir die Annehmlichkeiten des Geländes und den See. Schon morgens um sieben, vor dem Frühstück waren wir im Wasser. Am Donnerstagabend feierten wir mit einer großen Torte den 25. Geburtstag von Dialog im Dunkeln. Spontan wurden die gängigen Geburtstagslieder aus den verschiedenen Nationen gesungen, auch wir beide waren auf der Bühne.
Am Freitagabend wurde in irgendeinem Hotel in Tiruvanantapuram der Abschluss des Meetings gefeiert. Ich weiß nicht mal mehr, wie das Hotel heißt. Das war für mich zu kontrastreich. Mich hat an diesem Abend das westlich geprägte Hotelambiente komplett erschlagen. Das passte überhaupt nicht zu meiner Stimmung. Nach dem üppigen Essen, dass mehr europäisch als indisch ausfiel, wurde viel getanzt und gelacht. Unsere afrikanischen Kollegen brachten mit ihren Tänzen den Saal zum Kochen. Ich lasse nicht gerne eine Feier aus, aber an diesem Abend war ich froh als ich wieder zurück auf dem Campusgelände war und den Naturgeräuschen lauschen konnte. .

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Dialogue social Enterprise
Dialogmuseum in Frankfurt

Unser letzter Tag in Indien

Samstag, 26. Oktober 2013

Unser International Meeting war vorbei und wir hatten noch einen Tag zur Verfügung. Ein Teil unserer Gruppe fuhr ans Meer. Wir hatten uns für eine Trekkingtour, nochmal im Periyar-Nationalpark angemeldet. Unsere kleine Gruppe bestieg einen Bus. Der Fahrer, der schon etwas rasanter unterwegs war, als wir dies von Jose gewohnt waren, betätigte sich nebenbei als DJ. Das Auto war ohnehin mit seinen überdimensionierten Boxen und Lichtanlage eher eine fahrende Disco. Am Eingang des Nationalparks von Tiruvanantapuram aus, mussten wir feststellen, dass dieser Teil des Parks für Touristen geschlossen war. Wir erfuhren später, dass am Tag zuvor zwei Touristen an einem Wasserfall ums Leben gekommen waren. Die Untersuchungen zu dem Unfall waren noch nicht abgeschlossen.
Also mussten wir uns eine Alternative überlegen. Die Wahl viel auf den Berg Pumudi. Zunächst machten wir aber an einem kleinen Fluss, nach indischen Maßstäben eher ein Bach, Rast, den wir über Steine überquerten. Ich suchte mir meinen Weg auf allen Vieren über die Steine, Lukas konnte anderen Teilnehmern der Gruppe helfen. Auf der andern Seite wollten wir etwas Pause machen. Plötzlich schrie eine Frau auf. Unsere Teilnehmerin aus Malaysia war in den Fluss gestürzt und abgetrieben worden. Der Fluss, war hinter der Furt, die wir zum Überqueren genutzt hatten, tiefer und reißender. Glücklicherweise konnte sie sich an einem Stein festhalten.
Lukas und drei andere Teilnehmer bildeten sofort eine Kette, so dass ihr anderer Kollege aus Malaysia sie mit deren Hilfe ans Ufer ziehen konnte. Das war für alle ein riesen Schreck.
Nachdem wir später das Flüsschen an sicherer Stelle wieder überquert hatten, fuhren wir weiter zum Pumudi. Das iPhone des malaiischen Kollegen hatte bei der Rettungsaktion ein Vollbad genommen. Er kaufte bei einem Hotel zwei Kilo Reis und verbuddelte das iPhone darin. Der Reis zieht die Feuchtigkeit aus dem Gerät. Ob es tatsächlich geklappt hat, konnten wir leider nicht mehr erfahren.
Wir fuhren durch ein Teeanbaugebiet und machten an einer Bergstation halt. Wir bekamen unser, in Bananenblätter eingeschlagenes, Mittagessen. Wir waren schon vier Stunden unterwegs und trotzdem war das Huhn mit Reis und Gemüse, noch richtig warm. Diese Banana Leaves sind gut zum Verpacken von Lebensmitteln geeignet und halten, je nach Bedarf, warm oder kalt.
Den Rest, bis zum Gipfel, legten wir zu Fuß zurück. Das war mit etwas Klettern verbunden. Die Temperatur war hier oben sehr angenehm. Eine tolle Luft. Das Erlebnis vom Vormittag hatte die Gruppe sehr nah zusammenrücken lassen.

Der Abstieg verlangte uns beiden noch mal alles ab, was wir in den vergangenen zwei Wochen gemeinsam beim Laufen geübt hatten. Und genau auf der letzten Etappe unserer Reise rutschte ich an einem Felsen ab und zerfetzte dabei die Außenhaut meines geliebten Enchanting-Rucksacks. Wahrscheinlich hat er mich vor einer größeren Schramme bewahrt. Aber: Wenn irgendjemand von Enchanting India bis hierher liest; Ich würde mich wahnsinnig freuen, wenn ich noch einmal so einen Rucksack bekommen könnte. Das war wirklich ein tolles Gepäckstück. Dafür laufe ich auch gerne Werbung.

Die Stimmung in der Gruppe war gut. Nach einer rasanten fahrt zurück zum Kanthari-Campus, gings ein letztes Mal ans Buffet. Dann kam der unvermeidliche Moment, wo wir endgültig unsere Sachen packen mussten. Um 0.45 Uhr hatte ich mit Zaira, unserer Reisekoordinatorin , die Abholung vereinbart. Vorher gingen wir noch einmal zum See und genossen zusammen die abendliche Geräuschvielfalt. und hingen dort unseren Gedanken nach. Später begegneten wir Sabriye und wir setzten uns noch ein wenig zusammen. Wir sprachen über das Projekt und das Leben in Kerala. Ich kann nun verstehen, warum sie Deutschland den Rücken gekehrt hat und lieber an diesem schönen Platz lebt und arbeitet. Die Zeit bis zur Abfahrt verging, wie im Flug…

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Rückflug

Sonntag, 27. Oktober 2013

Pünktlich zum verabredeten Zeitpunkt wurden wir vom Repräsentanten von Enchanting India abgeholt und zum Flughafen gebracht. Leider durfte er selbst den internationalen Flughafen nicht betreten. Auch unsere Zugangsberechtigung wurde kontrolliert. Problem, die Flugnummer war geändert worden. und wir waren darüber nicht informiert. Zunächst wollte man uns nicht in den Flughafen lassen. Erst nach einigen, irgendwann nicht mehr so freundlichen Diskussionen, wurde jemand von Qatar Air herbeigeholt und bestätigte, das wir tatsächlich auf der Passagierliste standen. Endlich im Flughafen checkten wir bei Qatar Air ein. Hier vergass man, meinen Stock als Handgepäck zu markieren, was dann später noch zu Schwierigkeiten führte. Danach tauschten wir unsere Rupien zurück in Euro. Die nachfolgenden Kontrollen standen denen bei meiner Ausreise aus Israel in nichts nach und waren die unangenehmsten und unfreundlichsten Sicherheitskontrollen, die ich je an einem Flughafen erlebt habe. Blindenstöcke kannte man hier offenbar überhaupt nicht. Auch dass ich, fast nichts sehe, und den in Zeichensprache gegebenen Anweisungen nicht sofort folgen konnte, kapierten die unfreundlichen Herren nicht. Nachdem endlich geklärt war, welche Bedeutung mein weißer Stock hatte, bekam der endlich seinen Aufkleber. Dann wurde ich aufgefordert mein Handgepäck zu öffnen. Man hätte etwas spitzes entdeckt, in der Form eines Kugelschreibers. Ich ließ also in meine Tasche schauen. Da war natürlich nichts. Ich räumte alles wieder ein, um für den nächsten herbeigerufenen Bediensteten das Ganze noch mal auszupacken. Der Dritte gab dann die Anweisung, die Tasche noch einmal zu durchleuchten. Natürlich fand man nichts. Das Ganze ging insgesamt recht unfreundlich und zum Schluß auch etwas lauter zu. Ich habe schon viele Kontrollen an Flughäfen passiert. Einmal sollte ich sogar meine Braillezeile in Betrieb nehmen und deren Funktion demonstrieren. Alles kein Problem, wenn es freundlich abläuft. Schließlich machen die Leute einen wichtigen Job. Das hier war aber Schikane. Ich gewann den Eindruck als hätte man alle unfreundlichen Menschen Keralas in diesen internationalen Flughafen gesteckt.
Nach den Kontrollen trafen wir noch unsere Delegation aus Hamburg und verbrachten mit ihnen die Zeit bis zum Bording. Der letzte Tee auf indischem Boden.
Über den Rückflug gibts nicht viel zu berichten. Der Flug von Tiruvanantapuram nach Doha war genauso chaotisch, wie beim Hinflug. Der Umstieg klappte ohne Probleme . Lukas‘ Orientierungsvermögen ist super und die Kabinencrew von Doha nach Frankfurt war wieder sehr professionell. Ich frage mich, wie dieser Unterschied sein kann. Gegen 13.00 Uhr deutscher Zeit landeten wir in Frankfurt. Lukas hatte mir den Landeanflug detailliert beschrieben. Meine Frau holte uns am Flughafen ab. Ich freute mich darauf, die restliche Familie wieder zu sehen. Wir brauchten aber einige Tage, von dieser unvergesslichen Reise wieder auf Deutschland umzuschalten.

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Danksagung

Auf diesem Foto stehe ich auf dem Gipfel des Pumudi, zugehörig zu den Blue Mountains, auf denen dieser herrliche Tee wächst. Ich lasse mir den Wind um die Nase wehen und denke an die vergangenen Tage.
Ein tolles Fleckchen unserer Erde, das ich bereisen durfte.

Ich danke allen Mitarbeitern und Beauftragten von Enchanting-Travel, die zum Erfolg  unserer Reise beigetragen haben. „Wir schneiden Ihre Reise individuell auf Sie zu“. Das war der Satz, der mich angesprochen hatte.
Ja, ich wollte euch testen, ob ihr auch barrierefreie Reisen organisieren könnt. Ich bin auch nicht ganz ohne Skepsis an die Sache herangegangen. Aber: Enchanting-Travel kann ganz hervorragend barrierefreie Reisen organisieren und die Reisen werden tatsächlich individuell zugeschnitten. Ich hatte mir von dieser Reise viel erhofft. Meine Erwartungen wurden in vieler Hinsicht übertroffen.

Mein besonderer Dank gilt:
Maike, mit der ich lange in Kontakt stand, um die Reise zu planen.

Zaira, unserer deutschsprachige Reisekoordinatorin. Sie stand uns rund um die Uhr zur Verfügung, falls es mal Schwierigkeiten gegeben hätte. Es gab aber keine Probleme. Aber es ist toll, wenn man jemanden im Hintergrund hat, in einem so fremden Land.

Jose, unseren Fahrer. Er hat mir seine Heimat auf sehr anschauliche Weise nahe gebracht. Ich glaube, ihm hat es auch Spaß gemacht.

Jutchin und die anderen Guides vor Ort, die sich hervorragend auf meine Bedürfnisse eingestellt haben.

Ich war nicht zum letzten Mal in Indien. Auch andere Regionen wollen noch erkundet werden. Gerne wieder mit Enchanting Travel

Interessante Links:

20140529-141300-51180562.jpgEnchanting India