Vor der Reise

Indien hat mich schon als Kind irgendwie sehr fasziniert. Bücher, Hörspiele usw. habe ich regelrecht verschlungen. Eine Begegnung mit Sabrye Tenberken, hat dann als Erwachsener den Wunsch Indien zu bereisen, wiederbelebt. Nun habe ich gerade einen Job in einem international arbeitenden Franchise-Unternehmen, der mich gelegentlich ins Ausland reisen läßt. Bei unserem International Meeting 2012 war also Sabrye Tenberken, die ursprünglich in Tibet die erste Blindenschule gegründet hatte und nun ein sehr spannendes Projekt in Kerala, dem südlichsten Bundesstaat Indiens betreibt, von dem ich später noch ausführlich berichten werde, als Referentin zu Gast.
Sie lud uns ein, unser Meeting 2013 auf ihrem Kampus in Tiruvanantapuram, dem früheren Trivandrum durchzuführen.
Ich hatte nun also die Chance für einige Tage nach Indien zu kommen. Aber, wie das bei unseren Meetings so üblich ist, mit einem sehr straffen Tagesprogramm und einigen wenigen Ausflügen. Das ging natürlich gar nicht. So eine lange Strecke zurücklegen, die Chance zu haben, eines der für mich interessantesten Länder zu besuchen. Und dann nur vier Tage mit Programm?
Nun kam dazu, dass die Schule meines Sohnes einen Schüleraustausch mit Kanada verbaselt hat. Ich wollte ihn mal in eine englischsprachige Umgebung bringen. So entstand die Idee, dass wir zunächst durch Südindien reisen und anschließend am International Meeting auf dem Kanthari Kampus teilnehmen. Lukas sollte hier ein Praktikum machen, während ich an der Tagung teilnahm.

Die nächste Aufgabe war die Reise zu planen. Wir hatten nur die Zeit der Herbstferien zur Verfügung. Insgesamt 16 Tage, wovon vier Tage Tagung und jeweils ein Tag zur An- und Abreise einzuplanen war.
Es galt also 10 Tage optimal zu füllen, damit wir in dieser kurzen Zeit möglichst viel erleben konnten. Außerdem sollte das Ganze möglichst sicher sein. Schließlich war ich als blinder Vater mit meinem 15jährigen Sohn unterwegs und hatte die Verantwortung. So fiel das Abenteuer, allein von Ort zu Ort zu reisen, schon einmal flach.
Ich beschäftigte mich viel mit Kerala und war erstaunt, was man da eigentlich alles machen und erleben kann. Ich versuchte bei namhaften Pauschalreiseunternehmen, die aus der Werbung bekannt sind, für 10 Tage eine Rundreise in einer Gruppe zu bekommen. Nach Kontaktaufnahme mit zwei Reiseveranstaltern war ich ernüchtert. Unmotivierte Callcenter-Mitarbeiter, die nach Schema F am Telefon 0815-Reisen verkaufen wollen. Völlig unmotiviert und unflexibel. Man konnte hier schon nicht damit umgehen, dass wir zwar eine Rundreise machen wollen, danach aber noch im Land bleiben. Wenn mir schon am Telefon eine derartige Lustlosigkeit entgegen schlägt, wie ist das dann direkt am Ziel. Doch dann war Google mein Freund:
Nach Eingabe von „Reisen Kerala“, stieß ich auf Enchanting India. “Wir schneiden Ihre Reise individuell auf Sie zu“. Das las sich gut. Genau das, was ich brauchte.
Ich schrieb eine E-Mail: Ich wolle mit meinem Sohn für 10 Tage Kerala bereisen, hätte anschließend noch eine Tagung. Ich sei blind, aber geländegängig, hätte in der Vergangenheit bereits Bergtouren gemacht und verfüge über Reiseerfahrungen. Es ginge mir nicht darum, von einer Sehenswürdigkeit zur anderen zu springen, sondern eher Land und Leute kennen zu lernen.
Bereits einen Tag später erhielt ich einen Anruf aus Delhi. Und schon da ahnte ich, dass ich mit der Wahl des Reiseunternehmens richtig lag. Maike, eine freundliche Kundenbetreuerin von Enchanting Travel interviewte mich sehr detailliert bezüglich meiner Reisevorstellungen. Wir telefonierten fast eine Stunde. Meine besonderen Bedürfnisse als blinder Reisender wurden interessiert aufgenommen.
Zwei Tage später erhielt ich per Mail zwei Angebote, aus denen ich aussuchen konnte.
Wir würden also von Kochi über zehn Tage bis nach Thiruvananthapuram reisen. Eigenes Auto mit Fahrer nur für Lukas und mich. Wir hatten uns bewusst für eine englischsprachige Begleitung entschieden, da wir beide unsere Sprachkenntnisse verbessern wollten. Wir würden eine Teefabrik mit Plantage besuchen, eine Tour durch den Dschungel erleben, einen Elefantenritt durchs Gelände und vieles mehr. Am Anfang schwirrte mir ganz schön der Kopf und ich fragte mich: Wie sollen wir das denn alles in 10 Tagen schaffen?
Zunächst musste ich noch etwas schlucken bei dem Preis. Aber inzwischen hatte ich dermaßen Begeisterung entwickelt, dass ich diese Reise unbedingt mit meinem Sohn erleben wollte. Es sollte genau die Reise werden, die ich mir als Kind von meinen Eltern gewünscht hatte.

In den nächsten vier Monaten bereiteten wir uns vor. Bei allen Vorbereitungsschritten bezog ich Lukas mit ein. So konnte er lernen, wie man eine Auslandsreise sinnvoll plant.

Wärend der gesamten Vorbereitungsphase stand ich mit Maike in Kontakt. Wir wurden über alles, was unsere Reise betraf, auf dem Laufenden gehalten und konnten uns über Veränderungen der Reiseroute austauschen. Schon hier erwies sich Enchanting für mich als zuverlässiges Reiseunternehmen, von dessen Kompetenz, Kundenfreundlichkeit und Zuverlässigkeit sich manches Reiseunternehmen eine Scheibe abschneiden könnte.
Nun kamen wir auch zum ersten mal mit der indischen Bürokratie in Verbindung. Nämlich beim Beantragen der Visa. Das Onlineformular war alles andere als barrierefrei. Also sind wir auch diese Hürde gemeinsam angegangen. Es erschließt sich mir immer noch nicht der Sinn davon, dass ich, aus Deutschland kommend, sogar die Daten meiner Eltern angeben musste. Dass ich angeben musste, dass meine Eltern und Großeltern nichts mit Pakistan oder Afghanistan zu tun hatten, fand ich absurd. Es sollten bei Weitem nicht die letzten Formulare sein, die wir auf unserer Reise ausfüllen mussten.
Ein absolutes „Muss“ bei den Reisevorbereitungen ist, genügend zusätzliche Passbilder mitzunehmen. Nicht nur, dass man bereits zur Visaerteilung zwei Bilder mit besonderen Anforderungen mitschicken muss. Allein schon beim Kauf einer Simkarte benötigt man ein Passfoto. Zu unserer großen Überraschung benötigten wir an unserem letzten Aufenthaltsort nochmal jeder ein Passbild, da wir in Tiruvanantapuram gesondert angemeldet werden mussten. Bei der indischen Bürokratie können immer wieder Überraschungen entstehen. Wir haben vor Reiseantritt unsere kompletten Dokumente, wie Reisepässe und Reiseunterlagen fotografiert und diese so abgelegt, dass wir jederzeit per Internet darauf zugreifen konnten.
Nachdem nun die Reise bezahlt war und wir die Visa hatten, konnten wir uns an die schönen Dinge der Vorbereitungen machen. Ich hatte schon viele Bücher über Indien gewälzt. Aber auch hier half uns Enchanting mit einem gut gemachten, kompakten Reiseführer aus, den wir gemeinsam durchgingen. Für mich war es wichtig, möglichst viel Kenntnis über die indischen Gegebenheiten zu haben, hatte ich doch schließlich als blinder Vater die Verantwortung für meinen Sohn.
Unsicher war ich mit der Frage: Impfen, ja oder nein? Hierüber erhielt ich von verschiedenen Seiten widersprüchliche Informationen. Letztenendes verzichteten wir auf Impfungen und deckten uns mit genügend Insektenmittel ein. Zudem kaufte ich zwei Moskitonetze. Letztere brachten wir original verpackt wieder mit zurück, weil die Netze dort, wo man sie wirklich brauchte, vorhanden waren. Auch das Insektenspray hätte ich gut vor Ort kaufen können. Pflaster, Paracetamol, und Kreislauftropfen gehörten ebenfalls zur Ausstattung. Nun stellte sich die Frage der geeigneten Gepäckstücke. Weil wir aufgrund meiner Seheinschränkung viel zusammen laufen würden und ich mir die Herausforderungen der indischen Straßen mit Blindenlangstock nicht antun wollte, wären zwei Rollenkoffer zu umständlich gewesen. Wir entschieden uns daher wegen des Zusammenlaufens für zwei Reiserucksäcke.. Das hatte natürlich den Nachteil, dass alles ab dem zweiten Tag verknautscht war, wegen des Ein- und Auspackens. Aber wir brauchten ja keine Abendgarderobe. Insgesamt haben wir eine Menge Dinge mit uns rumgeschleppt, die wir gut hätten zuhause lassen können. Was allerdings unerlässlich ist, sind Händedesinfektionsmittel und Hygienetücher. Der Zustand indischer Sanitäreinrichtungen, außerhalb der Hotels, ist katastrophal.
Wenn ich ins Ausland reise, versuchte ich bisher immer einige wichtige Redewendungen der Landessprache zu erlernen. Dies öffnet Türen und zeigt der einheimischen Bevölkerung, dass sich der Besucher wirklich für das Land interessiert. So wollte ich hier auch etwas Hindi lernen. Durch meine berufliche Belastung wurde daraus jedoch nichts und ich konzentrierte mich lediglich auf die Auffrischung meiner Englischkenntnisse. Wir hatten uns bewußt für eine englischsprachige Reiseleitung bzw. englischsprachige Guides und einen englischsprachigen Fahrer entschieden.
Die Vernachlässigung von Hindi stellte sich im Nachhinein als gut heraus, spricht man doch in Kerala eine eigene Sprache. Hindi ist zwar auch Amtssprache, aber bei der Bevölkerung, so mein Eindruck, überhaupt nicht beliebt. Mit Malayalam, der lokalen Sprache konnte ich überhaupt nichts anfangen. Aber Englisch ist in Kerala schon okay.
Ich empfehle die Sprachvorbereitungen besonders im Hinblick auf Situationen am Flughafen, Ausfüllen von Formularen. Es ist in Indien kein Tag vergangen, ohne, dass Lukas für uns nicht mindestens ein englischsprachiges Formular ausfüllen musste.
Ist man in Indien, wie wir, mit diversem technischen Equipment unterwegs, so empfiehlt sich der Kauf entsprechender Reiseadapter vor Reiseantritt. Da das indische Stromnetz Schwankungen unterliegt, ist die Mitnahme von Akkus sinnvoll. Man kann diese dann übers Stromnetz aufladen und die teuren technischen Geräte, wie iPads etc. am Akku laden.

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