Tee und Gewürze

Dienstag, 15. Oktober 2013

Heute heißt es wieder Packen. Wir verlassen die Küste und fahren in die Berge zu den Teeplantagen. Das hatte ich mir für diese Reise auch gewünscht. Ich wollte erleben, wie Tee wächst und wie er verarbeitet wird, bevor man ihn zubereiten kann.
Wir begannen den Tag wieder mit einem richtig tollen Frühstück mit frischem Fruchtsaft, Obstteller, Toast und „keinen“ Kaffee.
Meine Bindehautentzündung nervte mich. Ich trug jetzt dauerhaft meine Sonnenbrille, auch beim Essen. Ich hoffte, dass hier in Indien nichts größeres draus entstehen würde. Ich wollte nicht wegen so einer Lapalie die Reise abbrechen müssen. Also Brille auflassen, Auge feucht halten und darauf achten, dass kein Luftzug drankommt. Ich wollte auf keinen Fall mit meinen, ohnehin schon lädierten Augen, einen indischen Arzt aufsuchen. Ihm das alles zu erklären, hätte meine Englischkenntnisse überfordert und bestimmt einen Reisetag gekostet.
Am Vorabend hatten wir uns schon von unserem Guide für Kochi, Jutchin, mit einem verdienten Trinkgeld verabschiedet.
Jose holte uns gegen 9.00 Uhr ab und wir brachen zu unserer ersten Überlandfahrt auf. Viel hatte ich gehört und gelesen über den indischen Straßenverkehr und den Zustand der Straßen. Ich war aufs Schlimmste gefasst und fragte mich, ob mein Magen das aushalten würde. Aber man staune, es war halb so wild. Das ständige Hupen gehört im indischen Straßenverkehr zur normalen Kommunikation. „Achtung, ich bin hier und komme jetzt um die Ecke“. Für diejenigen, die sehen können, ist das anfangs wahrscheinlich eine Qual. Zwei Autos fahren auf einer schmalen Straße aufeinander zu, und im richtigen Moment fährt einer an die Seite. Jose lenkte unser Auto durch den Verkehr und um die Schlaglöcher mit einer Ruhe, die mich beeindruckte. Ich habe während der gesamten Reise keine einzige Vollbremsung erlebt. Während der Fahrt machte er Lukas auf alles mögliche Sehenswerte aufmerksam und erzählte mir über Land und Leute, das Leben in Indien und über seine noch kleine Familie. Dass meine indische Handykarte immer noch nicht funktionierte, nervte mich allerdings besonders. Immer mit der Welt in Verbindung zu stehen, ist für mich ein großes Stück Lebensqualität. Nun begegneten wir auch den indischen Kühen, die schon mal eine Straße komplett blockierten. Spannend fand ich, dass die indischen Straßen teilweise als Highway bezeichnet werden. Die Straßen sind zum großen Teil nicht geteert und so schmal, dass gerade mal zwei Autos aneinander vorbeipassen. Wir konnten den Klimawechsel von der Küste in die Berge spüren. Unterwegs hielten wir kurz an einem Wasserfall. Lukas war begeistert von den freilebenden Affen, die im Wald an bestimmten Punkten am Straßenrand auf Steinen saßen und auf Futter hofften. Gegen Mittag machten wir in einem kleinen Ort halt, dessen Namen ich vergessen habe. Erstmal zum SIM-Kartendealer und schauen, dass die SIM-Karte doch noch zum Laufen kommt. Leider hatte ich mein Werkzeug zum Öffnen des SIM-Kartenfaches verloren. Es dauerte etwas, bis etwas brauchbares aufgetrieben wurde. Hier sollte Apple nochmal nachbessern. Aber: Nun war ich wieder mit meiner Welt verbunden und konnte kommunizieren. Danach hielten wir in einer Art „Raststätte“ mit indischem Buffet an. Als sie dort merkten, dass ich blind bin, wanderte ein Teil des Buffets auf unseren Tisch. Viel mehr als wir je hätten essen können. Indian Spicy war jetzt kein Problem mehr. Erstaunlich, wie schnell sich der Gaumen an die Schärfe gewöhnt.
Unangenehmer auf dieser Fahrt war die Bekanntschaft mit indischen Toiletten. Über zwei Dinge war ich froh: Dass ich Lukas und meine Händedesinfektionsfläschchen dabei hatte.

Weiter und höher ging es nun in die Berge. Durch einsetzenden Starkregen kamen wir später als geplant in Munnar an. Auch hier wurden wir gleich wieder von einem Guide in Empfang genommen. Wir waren etwas unter Zeitdruck. Nun waren wir also endlich dort, wo mein Lieblingsgetränk wächst und produziert wird. Wir fuhren zunächst zur Teefabrik. In Munnar befindet sich, gewissermaßen ein Teemuseum. Zunächst hatte ich erwartet, dass man sich hier die Geschichte des Teeanbaus ansehen konnte. Was wir aber erlebten, war noch viel interessanter. Uns wurde ein Film über die Anbau- und Erntemethoden gezeigt. Im Film erfuhren wir auch viel über die Region und die Situation der Arbeiter. Anschließend wurden wir in einen Raum gebeten, in dem auf einem Holzbrett extra für mich der Tee in seinen verschiedenen Qualitätsarten und Produktionsstufen aufgehäuft war. Wir besichtigten die Produktionshalle mit den Fermentierungsöfen und den Maschinen, die die Teeblätter zerkleinern und walzen. An jeder Maschine konnte ich das Ergebnis nochmals ertasten. Hier war eine Miniatur-Teefabrik aufgebaut. In den richtigen Teefabriken ist es aufgrund der offenen Messer und Walzen für Besucher zu gefährlich. Anschließend gingen wir raus an einen Hang, wo die Teepflanzen wuchsen und beschnitten wurden. Teepflanzen finde ich von der Form der Blätter her irgendwie interessant und ich mag dieses intensive Grün. Zum Schluß konnten wir das Produktionsergebnis genießen. Den aromatischsten Tee, den ich je getrunken habe, ganz ohne Verlust durch Verpackung und Transport. Ich hatte vom Nilgiri-Anbaugebiet vorher noch nie gehört. Aus Indien kannte ich nur Darjeeling und Assam. Der Geschmack des Nilgiri-Tee ist was Besonderes. Man bekommt ihn aber hier in Deutschland selten.
Wikipediaartikel Tee
Nach der Teefabrik führte uns unser Guide, dessen Name mir nicht mehr präsent ist, über den Gewürzmarkt von Munnar. Durch den Höhenunterschied von über 2000 Metern in wenigen Stunden waren wir extrem müde und die Straßen von Munnar brachten uns an unsere Grenzen.
Das war indischer Straßenverkehr in Reinkultur.
Wir fuhren weiter in die Berge zu unserem nächsten Etappenziel. Es regnete. Jose hatte etwas Mühe das Hotel zu finden. Es war schon fast dunkel als wir im Hotel Casa Montagna ankamen. Ein etwas tiefer als Munnar gelegenes Hotel mitten im Wald. Wir stiegen aus unserem Tojota aus, dessen Stoßdämpfer heute großartiges geleistet hatten. Ein netter Mensch nahm uns unser Gepäck ab und geleitete uns zum Gebäude. Plötzlich hieß es Stopp. Eine Schlange schlängelte sich vor uns über den Weg.

Weil die Hauptsaison noch nicht begonnen hatte, hatten wir das Hotel fast für uns alleine.
Wir hatten wieder ein riesiges Zimmer, eingerichtet in altenglischem Stil. Draußen zog ein ausgewachsenes Tropengewitter auf, das dann auch die halbe Nacht anhielt. Der Klimawechsel und der Höhenunterschied verlangte uns einiges ab. Nach einem reichlichen Abendessen fielen wir todmüde ins Bett.

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