Es geht los…

12. Oktober 2013

Unsere Abreise verlief ohne Hektik. Durch unsere umfassende Vorbereitung konnten wir fast sicher sein, nicht doch irgend etwas vergessen zu haben. Die Rucksäcke waren am Vorabend bereits fertig gepackt. So konnten wir am Abreisetag gemütlich frühstücken und danach fuhr uns meine Frau zum Flughafen.

Flughäfen haben für mich immer etwas aufregendes. Der Frankfurter Flughafen ist für mich aber etwas ganz besonderes. Vor einigen Monaten habe ich hier an einem Forschungsvorhaben teilgenommen, mit dem es blinden Menschen ermöglicht werden soll, sich auch in so großen Gebäuden zurecht zu finden. Ein Teil des Flughafens wurde mit WLAN-Points kartografiert. Mit einem Smartphone und der entsprechend entwickelten Software konnte ich mich dort gut zurecht finden und die gestellten Aufgaben lösen. Ich freue mich darauf, wenn die Indoor Navigation irgendwann in Flughäfen, großen Bahnhöfen etc. realisiert wird.

Wir fanden schnell unseren Schalter und der Check-in verlief gewohnt schnell. An Gepäck hatten wir nur die Hälfte von dem, was wir hätten mitnehmen können. Wir tranken noch zusammen einen Kaffee und anschließend kam das, was ich am wenigsten mag. Der Abschied.
Wir gingen durch den Zoll. Das finde ich oft etwas nervig. Ich habe oft das Gefühl, dass man hier als blinder Fluggast besonders akribisch durchsucht wird. Zudem wird man oft herumgeschoben, weil es einige der Sicherheitsleute nicht gelernt haben, vernünftig Anweisungen und Beschreibungen zu geben. Wir waren aber diesmal recht schnell durch. Beim letztenmal am Flughafen musste ich 10 Minuten warten, bis ich meine Schuhe wieder bekommen habe.
Lukas hat einen ganz hervorragenden Orientierungssinn. Wir fanden schnell unser Gate. Als Flugreisender mit weißen Blindenlangstock hat man meistens den Vorteil, dass man als erstes ins Flugzeug darf. Das ist für die Orientierung super. Man kann sich dann noch ohne Hektik beschreiben lassen, wo vom eigenen Platz aus, der nächste Notausgang ist, wo die Toiletten sind. Gut ist, wenn man sich den Waschraum vor Flugbeginn zeigen lassen kann. Die Armaturen sind in jedem Flugzeug anders. Auf dem Rückflug von der Karibik habe ich mal den Spülknopf mit dem Notruf verwechselt und vor der Tür versammelte sich die Kabinencrew.

Wir hatten einen Zweierplatz, was ich als sehr angenehm empfand. Ich mag es im Flugzeug nicht, wenn es so eng ist, ich schlafen oder essen will und mir der fremde Nachbar fast auf dem Schoß sitzt. Es ist gar nicht so einfach, auf so engem Raum, blind zu essen. Ich bekam nochmal separat die Sicherheitsinstruktionen und, welche Überraschung, die Sicherheitsbroschüre in Blindenschrift. Alles sehr professionell.
Der Flug verlief ruhig und das Essen war gut. Ich hatte mir viele Hörbücher auf mein iPad geladen. Lesen ging aber nicht. Die letzten Tage waren einfach beruflich so angespannt gewesen, dass ich erstmal runterfahren musste. Also erst schlafen.
In Doha, der Hauptstadt von Qatar mussten wir umsteigen. Beim Aussteigen aus dem klimatisierten Flieger schlug einem die trockene Wüstenluft geradezu ins Gesicht. Es war schon Dunkel, aber trotzdem noch heiß. Wie ist das hier wohl am Tag?
Auch der Umstieg in Qatar verlief schnell und ohne Probleme. An der Hektik merkte man aber schon, dass wir uns außerhalb Mitteleuropas befanden.
Hatte man sich in Deutschland darum bemüht, dass wir einen Platz im Flugzeug nebeneinander bekommen, so war dies hier den Mitarbeitern der Fluggesellschaft egal. Wir stiegen mit der Menschenmasse ein und hatten tatsächlich, zu meinem Ärgernis, getrennte Plätze. Hier zeigte sich, dass die Kabinencrew unorganisiert war. Ich bin zwar schon öfters alleine geflogen und hatte nie Probleme. Aber hier bestand ich darauf, neben meinem Sohn sitzen zu können. Ich setzte meinen Willen durch, obwohl die Stewardess damit sichtlich etwas überfordert war. Es war aber auch wichtig, dass wir zusammensaßen. Denn während des Fluges von Doha nach Kochi kamen die unvermeidlichen Einreiseformalitäten auf uns zu. Ich benötigte eine Vertrauensperson, die mir das Formular ausfüllte und Lukas hatte so etwas noch nie gemacht. Allgemein ging es auf dem Flug recht hektisch zu. Es war so laut, dass ich die Durchsage nicht verstand, wonach sich in Indien, nicht all zu weit von unserem Ziel entfernt, sich gerade ein Wirbelsturm austobte.
Und wir hatten doch etwas vergessen. Einen Kugelschreiber. So mussten wir uns erstmal was zum Schreiben besorgen, um die ersten beiden Formulare von vielen in den nächsten Tagen, auszufüllen.
Kurz vor der Landung lief ein Besatzungsmitglied mit einer Spraydose durchs Flugzeug. Keine Ahnung was man damit abtöten wollte. Ich stellte mir nur vor, was passieren würde, wenn irgendjemand auf das Mittel, was es auch immer war, allergisch reagieren würde.
Gegen 03.30 Uhr in der Nacht landeten wir in Kochi. Der Fluggast neben uns kletterte regelrecht über uns drüber, weil er offenbar möglichst schnell raus wollte. Das fand ich unverschämt. Da kam bei mir doch der Europäer raus. Mit dem Aussteigen war aber noch nichts. Erstmal wurden zwei Leute separat zum Aussteigen aufgerufen. Da die sich nicht sofort meldeten, dauerte es eine ganze Zeit, bis wir den Flieger verlassen konnten. Im Flughafengebäude bekamen wir morgens um vier schon einen kleinen Vorgeschmack über die indische Hektik. Lange Schlangen bei mehreren Pass- und Sicherheitskontrollen und die Leute hinter den Schaltern, hatten die Ruhe weg. Ich musste mich, durch inzwischen reduzierte Konzentrationsfähigkeit und der enormen Lautstärke, komplett auf Lukas verlassen. Nach einer gefühlten Ewigkeit und Orientierungslosigkeit meinerseits, hatten wir unser Gepäck und kamen aus dem Flughafengebäude.
Hier wartete der Repräsentant von Enchanting India und nahm uns freundlich in Empfang. Während Lukas seine ersten Erfahrungen mit öffentlichen indischen Toiletten machte, unterhielt ich mich mit dem Repräsentanten, der sogar ein bisschen Deutsch sprach. Das hatte er sich durch die vielen Touristen angeeignet.
Ich wollte mir eigentlich gleich eine SIM-Karte am Flughafen kaufen, das ging aber morgens, inzwischen war es 5.00 Uhr, noch nicht.
Vor dem Flughafen wartete unser Fahrer Jose, mit einem silbernen Tojota-Kombi. Dann ging es erstmal Richtung Hotel. Auf der Fahrt besprachen wir den weiteren Tag. Erstmal schlafen und gegen 13.00 sollte es losgehen.
Wir erreichten das Hotel gegen 5.30 Uhr und erledigten die unvermeidlichen Formalitäten. Es gab ein dickes Begrüßungspaket von Enchanting mit einem großen praktischen Rucksack, Mützen, Tee usw.
Nachdem der Mitarbeiter des Hotels endlich unseren Zimmerschlüssel gefunden hatte und ich mich im Hotelzimmer orientiert hatte, fiel ich nur noch ins Bett. Ich registrierte noch die fremden Geräusche. Vogelstimmen und Heuschrecken, die so bei uns nicht zu hören sind..

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