2. Tag in Kochi

Montag, 14. Oktober 2013

Das erste Frühstück in Kerala. Ein großer Obstteller, frisch gepresster Fruchtsaft, Eier mit Speck, Toast, Butter und Marmelade. Und was für eine Plörre von Kaffee. Das war der letzte Kaffee in Indien. Wir trinken jetzt Tee.

Um 8.30 Uhr holten uns Jose und Jutchin ab. Als erstes ging es zu einer Wäscherei. Ich hatte mir zwar zuerst die Frage gestellt, warum ich eine Wäscherei besichtigen soll? Aber warum, wurde schnell klar. Es war eine indische Wäscherei, die noch im Stil von vor 200 Jahren betrieben wurde. Kabinen mit Bottichen, in denen die Wäsche noch richtig durchgerubbelt und ausgeschlagen wird. Überall waren gedrehte Seile gespannt, an denen die Wäschestücke eingeklemmt werden. Man sparte sich so die Wäscheklammern. Spannend waren auch die Bügelstationen. Die Bügeleisen wurden noch mit Kohle betrieben. Auch hier fiel mir die beondere Herzlichkeit auf, mit der mir die Leute ihre Arbeitswerkzeuge zeigten.

Anschließend fuhren wir zu einem Markt. Der Besitzer eines großen Obststandes hatte sichtlich Freude daran, mir die einheimischen Früchte zu zeigen. Ich schlug hier alle Warnungen der Reiseführer in den Wind und probierte fleißig das leckere Obst. Magenprobleme hatte ich keine. Am besten schmeckte mir der angebotene Kerala Energy Drink: Eine Kokosnuss mit Fruchtsaft gefüllt. Das Fleisch der Kokosnuss in Verbindung mit dem Fruchtsaftgemisch war lecker. Hier entdeckte ich auch zum erstenmal die indischen Bananen. Viel kleiner als unsere EU-Bananen mit genormter Krümmung. War ich bislang doch der Meinung, man könnte Bananen getrost den Affen und Elefanten lassen, dachte ich nun, dass sie diese hier gerne mit mir teilen können. Daneben entdeckten wir eine Art roten Spinat „Champakka“, eine längliche weiße Frucht mit einem guten, aber ausgesprochen eigentümlichen Geschmack, mit nichts vergleichbar. Athapazham ist eine Art roter Apfel. Doppelt so groß, wie unsere Äpfel und erheblich intensiver im Geschmack. Dazu kommen die bekannten Früchte, wie Ananas, Papaja etc. Ich habe in meinem Leben noch nie so viel Obst gegessen, wie in Südindien.
Weiter ging es über den Markt. Geflügel und aller möglicher Krimskrams. Unter einem überdachten Teil wurde frisch gefangener Fisch zerlegt und verkauft. Alles zwar mit Eis gekühlt, aber Hygiene ist, bei uns in Europa, etwas anderes. Man läuft da durch und direkt neben uns wurden mit großen Messern die Fische zerteilt. Da hat man schonmal ein paar Blutspritzer abbekommen. Im Boden gab es Rinnen, über die die ganze Soße abläuft und vor der Halle eine große entsprechend riechende Pfütze. Aber eine tolle Atmosphäre, mit zubekommen, wie der Fischhandel betrieben wird. Der Hamburger Fischmarkt ist für mich nichts dagegen.

Als nächstes fuhren wir zur Santa-Cruz-Basilika, die von den Katholiken im Jahr 1902 erbaut wurde. Danach ging es zur St. Franzis Church, die älteste von Europäern, erbaute Kirche. Bereits 1503 wurde sie aus Holz errichtet und Mitte des 16. Jahrhunderts in einen Steinbau verändert. Hier wurde 1524 Vasco da Gama beigesetzt. Seinen Grabstein kann man noch besichtigen. Jutchin hat mir diese geschichtsträchtigen Orte sehr anschaulich beschrieben.

Die nächste Etappe führte uns in ein indisches Kaufhaus. Indische Kunst und Souvenirs auf drei Etagen. Alles für mich zum Anfassen. Ich hätte mir stundenlang die Götterfiguren anschauen können und für die geschnitzten Schachspiele hätte ich gut einige tausend Euro ausgeben können. Aber wir wollten ja nicht gleich am 2. Tag Souvenirs kaufen. Das war aber ein Fehler,  denn wir hatten tatsächlich keine Zeit und Gelegenheit mehr, einzukaufen.

An der Spitze der Halbinsel Fort Kochi besuchten wir die für Kochi berühmten chinesischen Fischernetze. Dabei handelt es sich um eine Holzkonstruktion mit Seilen, mit der die Netze ausgebracht werden und der Fang wieder eingeholt wird. Mindestens vier Männer müssen die Netze ziehen. Wir konnten mit den Fischern zusammen einmal den Fang einholen. Einer der Fischer zeigte mir seine, mit dicken Schwielen besetzte Hand, von der täglichen Arbeit mit den Seilen.

Nach diesem riesigen Vormittagsprogramm knurrte uns nun der Magen. Wir aßen in einem Restaurant direkt am Meer. Man konnte sich hier vom direkt daneben befindlichen kleinen Fischmarkt einen Fisch kaufen und im Restaurant braten lassen.

Nach dem Essen fuhren wir ins Hotel. Hier widmeten wir uns, der inzwischen nervigen Aufgabe, die indische SIM-Karte zum Laufen zu bringen. Später erst erfuhr ich, dass die Aktivierung einer SIM-Karte in Indien künstlich auf 48 Stunden hinausgezögert wird, um Terroristen die Nutzung zu erschweren, was ich persönlich jedoch als Tourist ziemlich nervig fand.
Für den Nachmittag hatten wir kurzfristig etwas ganz Tolles eingeschoben. Eine 90-minütige Ayurveda-Massage. Ich habe mich selten so entspannt gefühlt. Eine richtige Ganzkörpermassage.
Wir hatten noch etwas Zeit bis zu unserer letzten Aktion an diesem Tag und gingen noch einen Tee trinken. Dabei konnten wir uns mit unserem Guide Jutchin auch mal über sein Leben als Reiseführer unterhalten.
Danach fuhren wir zum Hafen. Hier startete unsere kleine Kreuzfahrt um die Halbinsel. Zunächst hatten uns andere Touristen unser kleines Boot weg geschnappt. Also bekamen wir zu zweit ein Großes. Wir fuhren durch den Fischereihafen und ich konnte viel mehr Dinge wahrnehmen als in einem Hafen in Deutschland. Es wird eben immer noch sehr viel mit der Hand und vor allem von Menschen gearbeitet. Nach dem anstrengenden Vormittag und der entspannenden Massage am Nachmittag war das ein sehr gemütlicher Ausklang. Wir erlebten den Sonnenuntergang auf dem Boot und pünktlich zum Einbruch der Dunkelheit legten wir wieder an. Hier wäre ich beim Aussteigen beinahe ins Wasser gefallen.

Nach einem erneuten Besuch beim SIM-Kartendealer, der wieder erfolglos blieb, fuhren wir ins Hotel. Kurz frisch machen und den Abend zu zweit in einem Restaurant in der Nähe ausklingen lassen.
Heute hatten wir uns viel zu erzählen und verbrachten die Zeit damit unsere tollen Eindrücke auszutauschen. Ich bestellte mir jetzt zum ersten Mal das Essen indisch gewürzt und behielt dies den Rest der Reise bei. Dazu gab es Lassi, das indische Joghurtgetränk. Super lecker.
Inzwischen hatte ich eine richtig dicke Bindehautentzündung und musste, wegen der Klimaanlage die Sonnenbrille auch über Nacht auf behalten. Dafür hatte ich leider keine Medikamente mitgenommen. Wikipedia zu Kochi

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