1. Tag in Kochi

Sonntag, 13. Oktober 2013

Nach unserer Ankunft im Hotel hatten wir uns schnell schlafen gelegt. Aber, wie das bei mir in fremder Umgebung so ist, war mein Schlaf nur kurz. Ich wachte auf und hörte starken Regen. Dummerweise hatte ich, wegen der Lautstärke, die Klimaanlage abgeschaltet. Es war stickig und heiß. Mir lief der Schweiß nur so runter. Ich kann mich in südlichen Ländern immer entscheiden: Schwitzen oder Bindehautentzündung durch die Klimaanlage. Wir hatten uns darüber verständigt, das Frühstück ausfallen zu lassen und lieber auszuschlafen. Mit unserem Fahrer waren wir erst um 13.00 Uhr verabredet. Ich erkundete zunächst das Zimmer. Dann schaltete ich das Handy an, um mitzuteilen, das wir wohlbehalten die erste Etappe geschafft hatten. Es liefen gleich mehrere besorgte Nachrichten ein, ob wir denn überhaupt in Kochi landen konnten und ob bei uns alles in Ordnung sei. Einige hundert Kilometer weiter östlich wurde die Küste wohl am Vorabend von einem Wirbelsturm getroffen. Es gab mehrere Tote. Wir hatten davon nichts mitbekommen. Im Flugzeug hatte ich lediglich im Halbschlaf irgendwas von einer Durchsage über einen Sturm mitgekriegt.
Ich war gerade mal fünf Minuten mit dem iPhone zu Gange und bekam schon die Meldung, dass mein Datenkontingent zum Surfen im Ausland erschöpft sei und ich dafür 59 Euro zu zahlen hätte. Toll.
Wir hatten bereits am Morgen am Flughafen versucht, eine Prepaid-Karte zu bekommen. Aber morgens um halb fünf wollte uns hier noch keiner was verkaufen. Glücklicherweise hatte das Hotel WLAN im Foyer, so dass wir die Daheimgebliebenen später beruhigen konnten.
Aber der Kauf einer SIM-Karte sollte uns noch länger beschäftigen.
Ich lauschte erst noch ein bisschen den neuen, fremden Geräuschen. Das entfernte Hupen von der Straße, das für mich für Indien als Sinneseindruck mit zum Markenzeichen geworden ist. Die Krähen und andere fremde Vögel, Heuschrecken usw. In Indien ist es nie still. Zumindest habe ich es nie in dieser Zeit erlebt.
Dann weckte ich Lukas. Duschen, Sachen packen und nach vorne zum Foyer, wo wir unsere Pässe wieder bekamen. Die gebe ich nie gerne aus der Hand. Vor dem Hotel stand schon der Toyota mit unserem Fahrer Jose und Jutchin, der für die zwei Tage in Kochi, unser Guide war.
Unser Auto war klimatisiert und stets war, in den Sitztaschen vor uns, frisches, gekühltes Wasser und Knabberzeug. Schon bei der Begrüßung war klar, dass wir vier viel Spaß miteinander haben würden. Die beiden waren begeistert, dass man sich mit uns fließend auf Englisch unterhalten konnte. In späteren Gesprächen erfuhren wir, dass es hier viele Gäste z. B. aus Frankreich und Saudi-Arabien gibt, mit denen die Verständigung sehr schwierig ist.

Als aller erstes ging es zum Geldautomaten. Rupien dürfen weder aus- noch eingeführt werden. Wir versuchten unser Glück am indischen Geldautomaten. Ich hatte für alle Fälle drei Geldkarten und für den Notfall einen Gürtel mit Innenreissverschluß voller Bargeld dabei. Schließlich hatten uns zwei Jahre zuvor griechische Geldautomaten zwei Karten geschluckt. Wir mussten zunächst feststellen, dass alle drei Karten nicht funktionierten, was bei mir dann doch ein leichtes Panikgefühl auslöste. Die Sache hatte aber eine ganz einfache Lösung. Während in Europa die Karten vom Automaten eingezogen werden und so auch geschluckt werden können, läuft das in Asien etwas anders. Man steckt die Karte in den Automaten, sie wird eingelesen, man gibt die Pin ein und dann zieht man sie wieder raus. Erst dann wählt man den Betrag aus usw. Dies war die erste Lektion des Tages.

Ausgestattet mit Rupien fuhren wir dann weiter zum SIM-Kartenhändler, ein Stand an einer befahrenen Straße. Der Verkehrslärm wurde noch von der Menschenmenge um uns und der Musik am Stand übertönt. Für mich also verschärfte Einkaufsbedingungen. Als wir das Ganze hinter uns hatten, man braucht für den Erwerb einer SIM-Karte eine Kopie des Reisepasses und nochmal zwei Passbilder, dachte ich, jetzt wieder mit der Welt in Verbindung zu stehen. Die Karte sollte innerhalb weniger Stunden funktionieren. Später erst erfuhren wir, dass SIM-Karten in Indien erst nach 48 Stunden freigeschaltet werden, um Terroristen die Arbeit zu erschweren. Außerdem hatten wir durch die erschwerten Einkaufsbedingungen und das Verhandlungsgeschick des Händlers gleich noch eine zweite SIM-Karte mit einem Surfstick gekauft, für den wir überhaupt keine Verwendung hatten.

Inzwischen knurrten unsere  Mägen und nach unseren ersten indischen Erfahrungen hatten wir uns ein gemütliches Essen direkt am Meer verdient. Frischer Fisch auf Indisch, allerdings noch europäisch gewürzt.
Nach dem Essen gingen wir durch eine kleine Ausstellung mit indischer und chinesischer Kunst. Hier konnte ich einige Götter der Hindu-Mythologie abtasten. Ich mag diese Figuren mit ihren vielfältigen Formen und Bedeutungen. Merken konnte ich sie mir bisher aber nicht. Des Weiteren konnte mir auch ein Schlangenboot in Originalgröße anschauen.
Diese schlanken Boote sind bis zu 40 Meter lang und können bis zu 100 Ruderer tragen. Zwischen Juni und September werden damit Rennen ausgetragen, in denen die Dörfer der Region gegeneinander antreten.
Anschließend besuchten wir den Dutch Palast, eines der bekanntesten Sehenswürdigkeiten in Kerala. Hier durfte ich leider nichts anfassen, aber Jutchins Art hier über die Geschichte Keralas  zu erzählen, bot mir einen Ausgleich. Mir wurde hier einmal mehr deutlich, wie die Europäer ihre Auseinandersetzungen in der Vergangenheit auf fremden Territorien austrugen. Insbesondere Portugiesen und Holländer, die sich diese schöne Region, samt Bevölkerung durch die Jahrhunderte, verschiedentlich untertan machten. Möchte man sich mit der Geschichte Keralas beschäftigen, sollte man den Dutsch Palast unbedingt ins Reiseprogramm einplanen.

Die nächste Station war die Paradesi Synagoge in Kochi. Von der jüdischen Gemeinde sind noch acht Mitglieder übrig, die hier ihre Traditionen leben und die Synagoge mit ihren vielfältigen chinesischen Mosaiken im Boden als Touristenattraktion präsentieren. Viele indische Juden sind nach Israel ausgereist. Dies erinnerte mich an meinen Aufenthalt in Tel Aviv 2007, wo wir von Dialogue Social Enterprise mit unseren amerikanischen Partnern in einem Restaurant eines indischen Juden zwei Nächte heftig gefeiert hatten..

Voller Eindrücke fuhren  wir danach ins Hotel. Etwas ausruhen und dann wurden wir zu einem großen Kulturspektakel abgeholt.
Wer nach Kerala reist, sollte unbedingt eine traditionele Kathakali-Aufführung besuchen. Hierbei handelt es sich um Tänze, die die Geschichte Keralas darstellen. Die Tänze gehen bis ins Meditative. Teilweise erfolgt die Darstellung lediglich durch Gesichtsausdrücke und Körpersprache. Die für mich fremdartige Musik hat mich sehr angesprochen und ich war teilweise richtig tief in einem meditativen Zustand. Die Aufführung verlangte meinem bisschen Sehrest eine Menge ab
Youtubevideo: Kathakaliperformens . Zum Ende der Aufführung wurde Kalarippayattu, eine alte indische Kampfkunst, präsentiert. Offenbar ist diese Kampfkunst mit dem bekannten Wing Tsun bzw. Escrima verwand.

Völlig fertig und voller Eindrücke über diesen ersten Tag in Indien fuhren wir zurück ins Hotel. Wir aßen noch ein paar Snacks und Trockenfrüchte, die uns Jose mitgegeben hatte. Mehr brauchten wir an diesem Abend nicht. Bei mir stellten sich schon die ersten Anzeichen einer heftigen Bindehautentzündung, durch die Klimaanlage, ein.
In dieser Nacht schliefen wir wie Steine. Wikipedia zu Kochi

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