Unser letzter Tag in Indien

Samstag, 26. Oktober 2013

Unser International Meeting war vorbei und wir hatten noch einen Tag zur Verfügung. Ein Teil unserer Gruppe fuhr ans Meer. Wir hatten uns für eine Trekkingtour, nochmal im Periyar-Nationalpark angemeldet. Unsere kleine Gruppe bestieg einen Bus. Der Fahrer, der schon etwas rasanter unterwegs war, als wir dies von Jose gewohnt waren, betätigte sich nebenbei als DJ. Das Auto war ohnehin mit seinen überdimensionierten Boxen und Lichtanlage eher eine fahrende Disco. Am Eingang des Nationalparks von Tiruvanantapuram aus, mussten wir feststellen, dass dieser Teil des Parks für Touristen geschlossen war. Wir erfuhren später, dass am Tag zuvor zwei Touristen an einem Wasserfall ums Leben gekommen waren. Die Untersuchungen zu dem Unfall waren noch nicht abgeschlossen.
Also mussten wir uns eine Alternative überlegen. Die Wahl viel auf den Berg Pumudi. Zunächst machten wir aber an einem kleinen Fluss, nach indischen Maßstäben eher ein Bach, Rast, den wir über Steine überquerten. Ich suchte mir meinen Weg auf allen Vieren über die Steine, Lukas konnte anderen Teilnehmern der Gruppe helfen. Auf der andern Seite wollten wir etwas Pause machen. Plötzlich schrie eine Frau auf. Unsere Teilnehmerin aus Malaysia war in den Fluss gestürzt und abgetrieben worden. Der Fluss, war hinter der Furt, die wir zum Überqueren genutzt hatten, tiefer und reißender. Glücklicherweise konnte sie sich an einem Stein festhalten.
Lukas und drei andere Teilnehmer bildeten sofort eine Kette, so dass ihr anderer Kollege aus Malaysia sie mit deren Hilfe ans Ufer ziehen konnte. Das war für alle ein riesen Schreck.
Nachdem wir später das Flüsschen an sicherer Stelle wieder überquert hatten, fuhren wir weiter zum Pumudi. Das iPhone des malaiischen Kollegen hatte bei der Rettungsaktion ein Vollbad genommen. Er kaufte bei einem Hotel zwei Kilo Reis und verbuddelte das iPhone darin. Der Reis zieht die Feuchtigkeit aus dem Gerät. Ob es tatsächlich geklappt hat, konnten wir leider nicht mehr erfahren.
Wir fuhren durch ein Teeanbaugebiet und machten an einer Bergstation halt. Wir bekamen unser, in Bananenblätter eingeschlagenes, Mittagessen. Wir waren schon vier Stunden unterwegs und trotzdem war das Huhn mit Reis und Gemüse, noch richtig warm. Diese Banana Leaves sind gut zum Verpacken von Lebensmitteln geeignet und halten, je nach Bedarf, warm oder kalt.
Den Rest, bis zum Gipfel, legten wir zu Fuß zurück. Das war mit etwas Klettern verbunden. Die Temperatur war hier oben sehr angenehm. Eine tolle Luft. Das Erlebnis vom Vormittag hatte die Gruppe sehr nah zusammenrücken lassen.

Der Abstieg verlangte uns beiden noch mal alles ab, was wir in den vergangenen zwei Wochen gemeinsam beim Laufen geübt hatten. Und genau auf der letzten Etappe unserer Reise rutschte ich an einem Felsen ab und zerfetzte dabei die Außenhaut meines geliebten Enchanting-Rucksacks. Wahrscheinlich hat er mich vor einer größeren Schramme bewahrt. Aber: Wenn irgendjemand von Enchanting India bis hierher liest; Ich würde mich wahnsinnig freuen, wenn ich noch einmal so einen Rucksack bekommen könnte. Das war wirklich ein tolles Gepäckstück. Dafür laufe ich auch gerne Werbung.

Die Stimmung in der Gruppe war gut. Nach einer rasanten fahrt zurück zum Kanthari-Campus, gings ein letztes Mal ans Buffet. Dann kam der unvermeidliche Moment, wo wir endgültig unsere Sachen packen mussten. Um 0.45 Uhr hatte ich mit Zaira, unserer Reisekoordinatorin , die Abholung vereinbart. Vorher gingen wir noch einmal zum See und genossen zusammen die abendliche Geräuschvielfalt. und hingen dort unseren Gedanken nach. Später begegneten wir Sabriye und wir setzten uns noch ein wenig zusammen. Wir sprachen über das Projekt und das Leben in Kerala. Ich kann nun verstehen, warum sie Deutschland den Rücken gekehrt hat und lieber an diesem schönen Platz lebt und arbeitet. Die Zeit bis zur Abfahrt verging, wie im Flug…

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